Jubeltag der gedämpften Gefühle: Mayer und Kriechmayr wollen nachlegen

Matthias Mayer verpasste am Freitag nur hauchdünn seinen zweiten Streif-Sieg. Am Samstag (11.30 Uhr, ORF eins) will der Kärntner ebenso wie Vincent Kriechmayr (9.) in der Abfahrt nachlegen – nach dem nächtlichen Schneefall.

Ohne Zuschauer, aber mit Premierensieger: Beat Feuz (l.) gewann erstmals die Abfahrt.
© APA

Von Max Ischia und Roman Stelzl

Kitzbühel – Oben wurde es nach einem von Stürzen und Unterbrechungen geprägten Jubiläums-Rennen immer dunkler, unten im Zielbereich sollten sich die bangen Mienen des Führungstrios sichtlich erhellen. Als sich der Franzose Nicolas Raffort mit Startnummer 30 aus dem Kitzbüheler Starthaus wuchtete und eine Wertung der ersten von zwei Abfahrten offiziell war, ballten die großen drei einträchtig die Fäuste. Und mit Sieger Beat Feuz, dem bis jetzt ewigen Zweiten auf der Streif, Vorjahreschampion Matthias Mayer und dem dreifachen Kitz-Abfahrtssieger Dominik Paris hätte das Podest bei der 500. Herren-Abfahrt der Weltcupgeschichte nicht würdiger sein können.

Und doch: Die ganz großen Emotionen blieben aus. Und das hatte weniger mit den fehlenden Fans als vielmehr mit den schweren Stürzen von Urs Kryenbühl und dem US-Amerikaner Ryan Cochran-Siegle zu tun. Kryenbühl zog sich eine Gehirnerschütterung, einen Bruch des rechten Schlüsselbeines sowie einen Riss des Kreuz- und Innenbandes im rechten Knie zu. Cochran-Siegle erlitt eine leichte Halswirbel-Fraktur, soll aber schon bald wieder am Start stehen.

So wurde nach einem zermürbenden Rennen und fast drei Stunden Wartezeit ohne Fans und Partys ruhiger gefeiert. Und auch hier lagen Freud und Ärger nahe beieinander. „Es war fast perfekt. Ich habe nur im Hohlweg etwas Zeit verloren“, meinte der 30-jährige Kärntner Mayer, dem am Ende nur 0,16 Sekunden fehlten, um seinen Erfolg aus dem Vorjahr zu wiederholen. Der Doppel-Olympiasieger wusste, wie gut seine Fahrt war, und bejubelte auch den zweiten Rang wie einen Sieg. Dem Gewinner streute Mayer Rosen auf den Weg: „Feuz ist einer der besten Skifahrer der Gegenwart. Er hat es sich verdient, ganz oben zu stehen.“

Matthias Mayer wurde am Freitag Zweiter und will am Samstag noch einmal voll angreifen.
© AFP

Verärgert waren einige Teamkollegen. Allen voran der Vorjahres-Zweite Vincent Kriechmayr, der mit 1,62 Sekunden Verspätung Neunter wurde. „Ich weiß nicht, wo ich so viel Zeit verloren habe. Ich hoffe, ich finde was über Nacht, um das zu ändern“, meinte der Oberösterreicher mit Blick auf die Abfahrt am Samstag (11.30 Uhr, ORF eins). Bei der „eigentlichen“ Hahnenkamm-Abfahrt (am Freitag Ersatz für Wengen) werden die Verhältnisse andere sein. Über Nacht ist Neuschnee angesagt, vielleicht mischt sich Regen hinein. Der stark in die Kritik geratene Zielsprung wurde schon nach dem Training abgetragen, nun soll das Gelände dahinter „runder“ und der finale Abschnitt sicherer gemacht werden.

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Dort haben einige ihre erste Chance (25 der 55 Läufer durften am Freitag nicht starten), andere haben indes etwas gutzumachen – so wie der ausgeschiedene Max Franz oder Otmar Striedinger (13.). Der für Deutschland startende Tiroler Romed Baumann (8.) nimmt weiter das Podest ins Visier. Auf das hatte der 35-Jährige am Freitag gehofft: „Als Kriechmayr hinter mir war, dachte ich mir, das könnte was werden. Am Samstag bietet sich die nächste Chance. Oder wie es Franz sagt: Normal warten wir ein Jahr – heuer ist es ein Tag.“


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