Caritas Tirol: Armenische Schüler überwinden Barrieren

Die Caritas Tirol unterstützt ein Projekt für beeinträchtigte Kinder in Armenien. Kinder mit und ohne Behinderung lernen gemeinsam in einer Inklusionsschule.

Seite an Seite: Kinder mit und ohne Behinderung lernen gemeinsam in einer Inklusionsschule in Shirak in Armenien.
© Caritas

Von Rosa Karbon

Innsbruck, Shirak – Mitreden, mitarbeiten, mitlernen. Für 97 Kinder in der Region Shirak in Armenien ist dies Realität geworden. All das mit finanzieller Hilfe aus Tirol. Das Besondere daran: Diese Kinder haben nicht dieselben Voraussetzungen wie die meisten ihrer Mitschüler, denn sie sind geistig oder physisch eingeschränkt.

Projekt „Mein Recht" für Schule für alle

Bereits seit 2008 fördert die Caritas Armenien die soziale Eingliederung und den Zugang zu Bildung für Kinder mit Behinderung. Mit dem 2019 gestarteten Projekt „Mein Recht“ unterstützt sie gemeinsam mit der Caritas Tirol und der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit die Inklusion in Regelschulen. Das Ziel ist eine Schule für alle. Keine leichte Aufgabe.

Als Erstes mussten diese Kinder von den Sozialarbeitern ausfindig gemacht werden. „Viele Eltern verstecken ihre Kinder vor der Öffentlichkeit“, erklärt Gayane Norikya, die Projektleiterin, in einer Online-Pressekonferenz. Eltern, die ihre Kinder nicht zur Schule schicken, werden anschließend beraten und unterstützt, damit sie sich für die Förderungen öffnen. „Vielen kann schon durch die Bereitstellung einfacher technischer Hilfsmittel, wie beispielsweise Kopfhörer, enorm geholfen werden“, betont Norikya.

Shirak liegt im Nordwesten Armeniens und gilt als die ärmste Region des Landes. Durch den Zerfall der Sowjetunion, ein verheerendes Erdbeben 1988 und den Konflikt mit Aserbaidschan um die Region Bergkarabach ist das Land schwer gezeichnet. Die Pandemie hat ihr Übriges zur Sache getan. Viele Menschen leben noch immer in Wellblechhütten oder Baracken. Barrierefreiheit ist für viele ein Fremdwort.

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Eltern und Lehrer miteingebunden

Die Inklusion ist ein vielschichtiger Prozess. Ein Prozess, in dem Eltern und Lehrer gleichermaßen miteingebunden werden müssen wie die Kinder selbst. Spezielle Trainings für das Lehrpersonal und regelmäßiger telefonischer Kontakt mit den Erziehungsberechtigten sind für die Sozialarbeiter Pflichtprogramm.

Dass dabei die Kinder nicht in eigenen Sondereinrichtungen untergebracht, sondern in ein soziales Umfeld integriert werden, ist für Georg Schärmer, Direktor der Caritas Tirol, besonders wichtig. „Dieses Projekt ist nicht nur gut gemeint, sondern auch gut gemacht“, lobt Schärmer die Arbeit der armenischen Caritas.

In den nächsten Jahren wird das Projekt ausgehend von den Modell-Schulen auf weitere Städte ausgeweitet. Dadurch kann immer mehr Kindern ein Recht auf Bildung in einem sozialen Umfeld ermöglicht werden.


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