Mordversuchsprozess wegen Schüssen vor Supermarkt in Graz

Sechs Schüsse vor einem Grazer Supermarkt haben einem 31-Jährigen eine Anklage wegen versuchten Mordes eingebracht. Der Mann, der sich am Montag vor Gericht verantworten musste, soll mit Jugendlichen Streit gehabt und dann wahllos geschossen haben. Zuvor jagte er die Burschen mit einem Messer über den Parkplatz. Weil er als „emotional instabile Persönlichkeit“ eingestuft wurde, stand die Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher von Beginn an im Raum.

„Es waren Szenen wie im Wilden Westen“ beschrieb Staatsanwalt Arnulf Rumpold in seinem Eröffnungsvortrag. Er schilderte, dass sich der 31-jährige Albaner Anfang Juli 2020 durch Blicke von zwei Jugendlichen am Parkplatz eines Supermarkts provoziert gefühlt habe. Er stieg aus dem Auto, es kam zu einer verbalen Auseinandersetzung. Dann zog der Angeklagte ein Messer - „das ist jetzt leider so üblich in Graz“ - und ging auf die beiden los. Die Burschen rannten davon, er jagte sie rund um ein Auto, dann liefen die beiden weg.

Eine Stunde später kehrte der Beschuldigte zurück. Seine Kontrahenten waren noch da, sie hielten sich in einem Jugendzentrum neben dem Supermarkt auf. Er wollte angeblich eine Aussprache, zog aber sofort eine halbautomatische Waffe. Einer der Burschen trat ihn in die Kniekehle. „Er zog die Waffe und repetierte, da liefen alle weg und er schoss“, so der Ankläger. Der Schuss traf einen der Burschen von hinten in den Oberschenkel. „Es war ein reines Glück, dass der Schuss nicht höher traf und tödlich war“, betonte der Staatsanwalt. Die weiteren fünf Schüsse trafen niemanden, allerdings wurden Menschen - darunter eine über 80-jährige Frau - von Splittern verletzt.

„Es gibt auch eine ganz andere Sicht auf die Ereignisse“, begann Verteidiger Gerald Ruhri sein Eröffnungsplädoyer. Er beschrieb den 31-Jährigen als hilfsbereiten Nachbarn, der zu Weihnachten mit einer blinkenden Weihnachtsmann-Mütze anzutreffen war. Die Auseinandersetzung mit den Jugendlichen war seiner Meinung nach anders gelaufen. Es gab zwar die Streiterei mit den Burschen und die Sache mit dem Messer, doch es seien es die anderen gewesen, die unbedingt ein zweites Treffen wollten. „Sie sannen auf Rache“, war der Anwalt überzeugt. Der Tritt gegen die Kniekehle seines Mandaten sei zuerst erfolgt, der Schuss sei dann nur Notwehr gewesen. Der Albaner fühlte sich nur teilweise schuldig, er wollte nach seinen Angaben niemanden töten.


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