Gedenkveranstaltung: Erinnerung ans Lager Reichenau

Eine Gedenkveranstaltung – heute Mittwoch – und ein Podcast rufen den Terror im Innsbrucker Gestapo-Lager ins Gedächtnis.

Dieses Luftbild (1946) zeigt das Kriegsgefangenenlager nahe der Innbrücke und rechts davon das „Arbeitserziehungslager“.
© National Archives, Washington

Innsbruck, Absam – Der heutige 27. Jänner ist der Inter­nationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, 1945 wurde an diesem Tag das NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit. Im Innsbrucker Stadtteil Reichenau findet heute eine Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung statt, die an die Opfer des Tiroler Verfolgungsapparats erinnert – konkret an jene Menschen, die im Lager Reichenau von 1942 bis 1945 inhaftiert, gequält und auch getötet wurden.

Verharmlost als „Auffanglager" und „Arbeitserziehungslager"

Die Versammlung, an der Vertreter der Stadt, des Landes und des veranstaltenden Gemeindemuseums Absam teilnehmen, findet um 11 Uhr beim Denkmal in der Reichenau statt. Dieses erinnert seit 1972 an den von der NS-Bürokratie zunächst verharmlosend als „Auffanglager“, dann als „Arbeitserziehungslager“ bezeichneten Komplex.

In Wirklichkeit inhaftierte die Gestapo Innsbruck hier – in unmittelbarer Nähe zum beliebten Ausflugsgasthaus Sandwirt – Zwangsarbeiter, politische Gefangene, Italiener, die versucht hatten, von ihrem Arbeitsplatz im „Reich“ zurück nach Italien zu fliehen, Durchgangshäftlinge und Jüdinnen und Juden, die ab 1943 über Italien von der Reiche­nau weiter in Konzentrations- oder Vernichtungslager deportiert wurden.

Das Gemeindemuseum Absam rückt das Lager auch in seinem aktuellen Podcast – abrufbar seit heute auf www.absammuseum.at – ins Bewusstsein. In Gesprächen, die Johannes Breit aus Absam 2007 für seine Fachbereichsarbeit führte, erinnert sich Zeitzeuge Walter Winterberg aus Wien (geboren 1924) an die Gewalt, die Tötungen und den Lageralltag am Stadtrand von Innsbruck – etwa an einen polnischen Gefangenen, der an einer Dachrinne erhängt wurde, nachdem die Wachen ein Glas Marmelade bei ihm gefunden hatten.

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Winterberg, als „jüdischer Mischling“ zum Luftschutzdienst zwangsverpflichtet, versuchte Ende 1943 über die Schweiz nach Frankreich zu fliehen, um sich der Résistance anzuschließen. In Vorarlberg aufgegriffen, kam er ins Polizeigefängnis Innsbruck und wurde im Jänner 1944 als politischer Häftling ins Lager Reichenau überstellt. Bis April 1944 arbeitete er in der Waschbaracke, ehe er weiter ins KZ Buchenwald deportiert wurde. Dort überlebte er, weil er sich der illegalen Lagerorganisation anschließen konnte. (TT, md)


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