Corona-Hilfen: Pfundser Hotelier geht aus Protest in Hungerstreik

Ein Pfundser Hotelier geht in einen fünftägigen Hungerstreik, weil er noch immer auf staatliche Corona-Hilfen für November und Dezember wartet.

Jan Sun steht das Wasser bis zum Hals.
© Reichle

Von Matthias Reichle

Pfunds – Für Jan Sun ist es „passiver Widerstand“ – das letzte Mittel, das ihm noch bleibt. Dem Geschäftsführer des Hotels Kajetansbrücke in der kleinen Obergrichter Gemeinde Pfunds steht das Wasser derzeit bis zum Hals, wie er erklärt. Seit Ende November wartet der Touristiker auf die seitens der Regierung versprochene finanzielle Unterstützung – nur Antwort habe er noch keine bekommen, außer immer neuen Vertröstungen. „Ich komme mir vor wie ein Bettler.“

Fünftägiger Hungerstreik ab dem 1. Februar

Hinnehmen will er das nicht mehr. Gestern kündigte der Hotelier nun eine ungewöhnliche Maßnahme an. Er will ab 1. Februar in einen fünftägigen Hungerstreik treten, um auf seine Situation aufmerksam zu machen. „Ich werde nur mehr Wasser trinken“, betonte Sun gestern. Seine Mitarbeiter würden ihn dabei überwachen und das Ganze dokumentieren. Die Aktion kündigte er auch bei der Covid-19-Finanzierungsagentur an.

Dem Hotel Kajetansbrücke geht es derzeit wie den meisten Beherbergungsbetrieben im Lockdown. Ende November hatte Sun um einen Umsatzersatz angesucht: 80 % für November und 50 % für Dezember. In seinem Fall gehe es um rund 24.000 Euro, so Sun, der das Geld aber dringend benötigen würde.

Rechnungen in der Höhe von 15.000 Euro sind offen

Bisher habe er lediglich einen Fixkostenzuschuss von 18.407 Euro erhalten. Insgesamt seien Rechnungen in Höhe von 15.000 Euro offen. „Da bekomme ich Druck.“ Täglich erwarte er schlechte Nachrichten. Gleichzeitig sinke der Pegel im Heizöltank. „Bei Minusgraden ist das für das Gebäude sicher nicht das Beste.“ Er sei zum Bittsteller geworden und werde von Woche zu Woche vertröstet. „Ich weiß nicht, wie ich anders auf die Situation reagieren soll“, verteidigt Sun seinen Hungerstreik. Noch hofft er, dass es gar nicht so weit kommt. „In Linz hat eine Gastwirtin ihr Lokal unerlaubt geöffnet, so wie diese Frau möchte ich nicht protestieren, ich möchte keine Gesetze verletzten“, erklärt er. Er sei auch kein „Corona-Verharmloser“, aber ihm kämen Zweifel, ob die Maßnahmen noch angemessen sind.

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Die Covid-19-Finanzierungsagentur war in den vergangenen Wochen immer wieder mit Kritik konfrontiert. Dabei sei man mit den Auszahlungen sehr weit – hieß es bereits vergangene Woche. Demnach dürften mehr als 92 Prozent der Anträge für einen Umsatzersatz bereits bewilligt worden sein. Die Gelder, die für den November genehmigt wurden, wurden auch bereits zur Gänze ausbezahlt. Es geht wohl um rund acht Prozent der Anträge, die derzeit auf eine Antwort warten. Man verstehe die schwierige Situation der Betriebe, müsse aber auch mit dem Steuergeld sorgfältig umgehen, heißt es seitens der Agentur. Zum konkreten Fall konnte man dort nichts sagen. „Sämtliche Anträge werden schnellstmöglich bearbeitet.“


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