Klinik Füssen: Wo Deutsche Hunderte Tiroler retten

Muss es bei akuten Herzinfarkten schnell gehen, setzt Tirol seit zehn Jahren auf zwei Kliniken: auf Innsbruck und Füssen in Bayern.

Überwachungsstand am Herzkatheterlabor der Klinik Füssen.
© Klinik Füssen

Von Helmut Mittermayr

Füssen, Reutte, Innsbruck – Wenn Anrufer in der telefonischen Warteschleife ein „Herzlich willkommen“ zu hören bekommen, dann hat das an der Klinik Füssen ein­e besondere Aufladung. Das Krankenhaus hat sich einen Namen als Herzzentrum machen können – für Deutsche und Österreicher, denn zwischen 200 und 300 Herzpatienten, Touristen inklusive, kommen jedes Jahr aus dem Bezirk Reutte, weiß Martin Hinterseer, Chefarzt und ärztlicher Direktor des Füssener Krankenhauses.

Der Ursprung dieser einzigartigen Zusammenarbeit liegt elf Jahre zurück, erklärt Hinterseer. Bei Herzinfarkten gelte für kardiologische Interventionen die Devise „Time is muscle“. Je schneller geholfen wird, umso mehr Muskel könne gerettet und damit sowohl das Fortleben als auch eine höhere Folgelebensqualität gesichert werden. Zeit ist jedenfalls etwas, was ein Herzinfarktpatient nicht hat. Und so manches Mal konnte damals nicht geholfen werden, weil schlechtes Wetter herrschte und die Entfernung zu einer spezialisierten Klinik zu groß war – beidseits der Grenze.

Hinterseer begann das Herzzentrum Füssen auszubauen und ab 2012 mit dem BKH Reutte und der Innsbrucker Klinik zusammenzuarbeiten. Da die hiesigen Krankenkassen ihren Segen gaben, war das erste grenzüberschreitende Herzinfarktnetzwerk etabliert. „Im Tiroler Versorgungsplan für Herzinfarkte sind Innsbruck und Füssen genannt“, ist der deutsche Kardiologe stolz auf diese Grenzüberschreitung. Heute wird im Allgäu inklusive dem Außerfern ein Einzugsgebiet von 100.000 Personen abgedeckt. An die 1200 Mal im Jahr kommt der Katheter zum Einsatz, rund jeder fünfte Patient stammt aus dem Außerfern. „Hier wird der europäische Gedanke gelebt“, spricht Hinterseer von seinem Herzens­projekt. Erst kürzlich erhielt es einen renommierten Förderpreis, denn die Sterberate bei Infarkten liegt in Füssen bei 4,4 %, deutschlandweit bei 6,6.

Auch Eugen Ladner, ärztlicher Leiter des BKH Reutte, betont die gute Zusammenarbeit. Füssen werde boden- wie luftgebunden angesteuert. Akute Fälle würden meist sofort oder bei bestimmten Indikationen nach Abklärung in Reutte nach Füssen gebracht, um dort vor allem lebensrettende Stents gesetzt zu bekommen. Alle Operationen, die planbar seien, würden hingegen an der Innsbrucker Klinik durchgeführt.

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