Die Angst vor einer Wetter-Lotterie bei der Rodel-WM am Königssee

Die 50. Kunstbahnrodel-Weltmeisterschaft am Königssee startet am Freitag mit den Sprint-Entscheidungen. Die vorhergesagten Wetterbedingungen am Wochenende könnten für „ungewollte Spannung“ sorgen.

Startklar für die WM: die Rinnerin Madeleine Egle.
© Michael Kristen

Von Günter Almberger

Schönau a. Königssee – Es ist eine Jubiläums-Weltmeisterschaft, die unter keinem guten Stern steht. Ursprünglich hätte die 50. Kunstbahnrodel-WM in Calgary über die Bühne gehen sollen. Doch weil der dortige Bahnbetreiber nicht garantieren konnte, dass die Umbauarbeiten am Olympia-Eiskanal von 1988 rechtzeitig fertig werden, verlegte der kanadische Verband die Titelkämpfe kurzerhand nach Whistler. David Gleirscher und Co. hätten auf der Bahn der Winterspiele 2010 kommende Woche Bronze, Silber und Gold fahren sollen. Aber dann kam Corona. Und auch dieser Plan wurde auf den Kopf gestellt. Die Corona-Auflagen in Kanada ließen keine WM zu. Der Internationale Rodelverband FIL musste im vergangenen November Ersatz suchen – und fand ihn mit dem Eiskanal am Königssee.

„Wir geben als Ziel zwei Medaillen aus. Das wird aber alles andere als leicht, die Konkurrenz ist stark.“ – Markus Prock
(ÖRV-Präsident)
© Michael Kristen

Neuer Termin, neuer WM-Ort – für die Athleten kein Problem. Im Gegenteil, sie sind froh, dass es in Corona-Zeiten überhaupt Rennen gibt. Sie sehen es als Privileg an, fahren zu dürfen. Lediglich die sportlichen Voraussetzungen haben sich ein wenig geändert. Auf einer deutschen Bahn sind die starken Lokalmatadore noch schwerer zu schlagen. „Neue­s Rennen, neues Glück“, will ÖRV-Präsident Markus Prock dem Heimvorteil nicht zu viel Beachtung schenken, betont aber: „Wir geben als Ziel zwei Medaillen aus. Das wird alles andere als leicht, weil die Konkurrenz aus Italien, Russland und Lettland extrem gut drauf ist. Es wird definitiv ein­e enge Kiste werden.“

Allerdings bereiten die Wetterprognosen für die drei Renntage mit Regen und milden Temperaturen der heimischen Rodel-Legende ein wenig Kopfzerbrechen. „Bei solchen Bedingungen kann es immer sein, dass die Bahn mit Fortdauer des Rennens abbaut. Am Ende könnte es zu einer Wetterlotterie kommen“, weiß Prock aus Erfahrung. Diese Gedanken gehen auch ÖRV-Cheftrainer René Friedl durch den Kopf. „Ungewollte Spannung braucht man bei einer WM nicht. Wir hoffen, dass es faire Voraussetzungen gibt und es nicht auf Wetter-Glück ankommt. Egal, welche Bedingungen es dann tatsächlich sind, wir haben für alle bestes Material“, betont Friedl.

„Ungewollte Spannung braucht man bei einer WM nicht. Wir hoffen, dass es faire Voraussetzungen gibt.“ – René Friedl
 (ÖRV-Cheftrainer)
© Michael Kristen

Im gestrigen Abschlusstraining ließen die ÖRV-Athleten bei den Damen und Herren mit guten Zeiten aufhorchen. Bei den Doppelsitzern hingegen lief es allerdings noch nicht nach Wunsch. „Wir müssen da noch am Material-Set-up Umstellungen vornehmen. Wir hoffen, dass wir im Qualifikationslauf für den Sprint die richtige Abstimmung finden“, erklärt der ÖRV-Cheftrainer. Taktiert werde in der Sprint-Quali aber nicht. Auch wenn man mit einer langsameren Zeit eine frühere und daher bessere Startnummer bekommen könnte. „Das Risik­o ist zu groß. Das Feld liegt zeitlich so dicht beisammen. Wer da nicht voll fährt, schafft es nicht in die notwendigen Top 15“, ist der Inzinger überzeugt.

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Bei den Hauptrennen am Samstag und am Sonntag hat der Langzeittrainer, der seit 2005 die Geschicke des heimischen Teams leitet, vor allem die Gleirscher-Brüder Nico und David, aber auch Madeleine Egle auf dem Zettel: „Nico ist wohl aktuell unser Schnellster. David schafft es immer wieder, bei Großereignissen top in Form zu sein. Und Madeleine hat beim Weltcup Anfang Jänner auf dieser Bahn ihren ersten Podestplatz eingefahren. Sie kann sich zum Rennen hin steigern.“

Einer kann bei dieser WM Geschichte schreiben: Top-Favorit Felix Loch. Mit einem Sieg auf der Heimbahn kann der Bayer Rekord-Weltmeister werden, mit dem siebten WM-Sieg würde er den Südtiroler Armin Zöggeler (6) überholen.


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