Lienz fährt bis ins Jahr 2025 auf den Ski-Weltcup ab

Osttiroler TVB-Obmann Franz Theurl konnte mit dem ÖSV neue Verträge aushandeln. Bei der Finanzierung betritt man Neuland.

Der Vorarlbergerin Katharina Liensberger gelang beim FIS-Riesentorlauf 2019 in Lienz erstmals der Sprung aufs Podest.
© EXPA/Gruber

Von Christoph Blassnig

Lienz – Der Tourismusverband Osttirol (TVBO) mit seinem Obmann Franz Theurl und der Skiclub Lienz (SCL) mit seinem Präsidenten Siegfried Vergeiner jubeln: Der FIS-Ski-Weltcup der Damen, der alle zwei Jahre in Lienz über die Bühne geht, ist bis 2025 abgesichert. Auch die Unterzeichnung eines neuen Kooperationsvertrags mit dem Österreichischen Skiverband (ÖSV) konnte ausverhandelt werden. Nicht ganz frei von Stolz berichtet Theurl: „Unsere exzellenten persönlichen Kontakte zum ÖSV haben das scheinbar Unmögliche möglich gemacht. Der Skiverband ist uns in den Verhandlungen deutlich entgegengekommen, was sicher keine Selbstverständlichkeit ist.“ SCL-Präsident Siegfried Vergeiner hat bereits mit den Vorbereitungen für das Rennwochenende im Dezember begonnen. Bis Juni sollen die Abläufe geplant sein, im August findet wieder die Begehung der Strecke statt. Für die Übertragung der Rennen 2019 waren 18 Live-Kameras im Einsatz. „Es werden vermutlich neue hinzukommen“, glaubt der erfahrene Organisator. Dabei mussten die heimischen Rennveranstalter diesmal groß­e Hürden überwinden.

Denn der Lienzer Gemeinderat hatte die Fördermittel der Stadt von 100.000 Euro pro Rennsaison zuletzt deutlich auf 30.000 Euro gekürzt, die TT berichtete. Die kritischen Stimmen rund um Bürgermeisterin Elisabeth Blanik führten als Begründung unter anderem die leere Stadtkassa aufgrund der Corona-bedingten Steuerausfälle ins Treffen. Schon Tradition haben außerdem die emotionalen Diskussionen der Gemeinde­räte um Sachaufwand und Kosten im Verhältnis zu jenem Werbe­wert für die Stadt und die Region, den die Veranstalter nicht müde werden zu betonen. Bisher hatten der TVBO und die Stadt Lienz den Finanztopf des Organisationskomitees pro Renn­saison mit jeweils 100.000 Euro gespeist. Die fehlenden 70.000 Euro der Stadt galt es also auszugleichen, was dem Lienze­r Verhandlungsteam um TVB-Obmann Theurl nun auf Umwege­n gelungen sein dürfte.

Der TVBO leistet für die Rennsaisonen in den Jahren 2021, 2023 und 2025 weiterhin seine Basisfinanzierung von 100.000 Euro. Neu ist, dass Kleinsponsoren in Summ­e 20.000 Euro aufbringen werden. Mit dem Beitrag der Stadt sind dann drei Viertel der Kosten gedeckt. Für die noch fehlenden 50.000 Euro hat man sich etwas Neues einfallen lassen: Der TVBO schaltet auf den ÖSV-Werbekanälen jährlich Imagekampagnen im Wert von 25.000 Euro. „Das ist eine Win-win-Situation“, begründet Theurl dieses Übereinkommen. „Der Skiverband hat unzählige Mitglieder, die nicht nur im alpinen Bereich, sondern auch im Langlauf und als Tourengeher aktiv sind. Diese erreichen wir auf diesem Weg direkt und verankern die Urlaubsdestination Osttirol weiter in den Köpfen unseres Zielpublikums.“

Eine Einstellung der Rennen in Lienz wäre wohl auch dem ÖSV schwergefallen, erklärt Theurl. „Nach Kitzbühel sind unsere Rennen jene mit den besten Einschaltquoten, was man auch dort sehr zu schätzen weiß.“ Das liege nicht zuletzt am Termin zwischen Weihnachten und Neujahr. Nach den Medienberichten über die Diskussionen in Lien­z hätten jedenfalls bereits andere Sportorte beim ÖSV ihr Interesse an den Rennen bekundet.

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Dass diese Konstruktion zur Finanzierung der Weltcup­rennen in Lienz von Dauer sein wird, glaubt Theurl übrigens nicht: „Auch Mehrheiten in einem Gemeinderat sind nicht in Stein gemeißelt. Vor den Rennen 2023 sind Wahlen. Ich glaube, dass sich die Stadt unter einer neuen Führung ihrer Verantwortung wieder bewusst sein wird.“


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