Werbevideos für Schulen boomen im Außerfern

Umworbener Nachwuchs: 326 Volksschüler im Außerfern melden sich in Kürze für eine der sechs Mittelschulen oder das Gymnasium Reutte an.

  • Artikel
  • Diskussion
Eine Szene aus dem Video der MS Königsweg, die ihren schulischen „Königsweg“ hervorstreicht – die Fokussierung auf Sport.
© NMS Königsweg

Von Helmut Mittermayr

Reutte – Die Halbjahres­noten stehen fest, die meisten Zeugnisse dürften schon geschrieben sein. In wenigen Tagen heißt es in ganz Tirol für Eltern und Kinder der 4. Klassen Volksschule, eine erste richtungsweisende Wahl zu treffen. Wo soll es weitergehen – in der Mittelschule oder im Gymnasium? Dieser meist schon Monate andauernde Entscheidungsfindungsprozess wird von den Zielobjekten schon lang­e nicht mehr nur passiv beobachtet. Schließlich hängt das „Standing“ einer Schule auch direkt an ihren Schülerzahlen. Zudem bedeutet ein hoher Zustrom in die jeweils ersten Klassen auch gesichert­e Arbeitsplätze.

Im Außerfern zum Beispiel geht es heuer um 326 Abgänger der 4. Klassen Volksschule, weiß Schulqualitätsmanagerin Edith Müller. Sechs Mittelschulen und ein Gymnasium werben um die Gunst dieser Schülerinnen und Schüler – in diesem Alter meist noch um die Gunst der Eltern. Dabei spielen auch Zentrifugalkräfte eine Rolle: Je weiter weg vom Zentrum Reutte, desto eher wird „die große Fahrt“ ins Gym vermieden. Bestes Beispiel dafür ist die Mittelschule Lechtal, die de facto eine Gesamtschule darstellt. Die 44 Abgänger aus den Lechtaler Volksschulen von heuer sind fast eine Bank für die Planungen von MS-Direktorin Alexandra Pass zum kommenden Schuljahr. Im Lechtal beginnt erst nach der achten Schulstufe die Separation. Mit Abstrichen gilt dies auch für Ehrwald, Tannheim und Vils.

Im Schulsprengel Reutte, der von Berwang bis Weißenbach und Pflach reicht, müssen Eltern und Kinder hingegen überzeugt werden. Zwei Mittelschulen und das Gymnasium hoffen auf Zuspruch der 194 zu vergebenden Votings. Trotz der Wettbewerbssituation herrsche ein gutes Verhältnis unter den Schulen, wie die Direktoren Gerfried Breuss (MS Untermarkt, 210 Schüler), Myriam Koch (MS Königsweg, 301) und Manfred Pfeifer (Gymnasium, Unterstufe, 260) bestätigen.

Um sich besser ins Bild zu rücken, setzen nun alle auch auf Videos, die die Besonderheiten der jeweiligen Bildungsstätte hervorstreichen sollen. Auf Youtube oder den Homepages sind die Streifen zu finden. Die MS Untermarkt hat gleich mehrere erstellt. Direktor Breuss nennt bei der TT-Anfrage spontan Roboti­k bis hin zu kreativen Klassen als Thema. Er empfiehlt das Video „Lernbüro“ – eine neue selbstbestimmte Form von Lernpfaden und Lerntempo, abgestimmt auf jeden Schüler. Breuss würde sowieso eine Schule der Sechs- bis 14-Jährigen verwirklichen, hätte er das Sagen.

10x Wanderausrüstung zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Genau das möchte Manfred Pfeifer vom Gymnasium Reutte nicht. Interessen und Leistungsfähigkeit der Kinder seien nicht gleich. Es sei wichtig, dass „sie an die richtige Schule kommen“. Dafür gebe es verschiedene Schwerpunkte, auch Ansprüche. Im Gymnasium beginne schon in der Unterstufe die Vorbereitung zum Langweg Matura.

Direktorin Myriam Koch zeigt viele kreative Wege ihrer Schule auf, um dann doch die Sportklassen als Alleinstellungsmerkmal herauszustreichen. Am Königsweg wurde sogar professionelle Hilfe bei der Erstellung des Videos vom Lokalsender REeins.tv in Anspruch genommen.


Kommentieren


Schlagworte