ÖOC-Generalsekretär Mennel: „Athleten haben sich Olympia verdient“

Olympia oder doch nicht: In Pandemie-Zeiten lässt sich schwer einschätzen, ob heuer Sommerspiele in Tokio stattfinden können. ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel fordert geradezu Wettkämpfe – für die Sportler.

Die Regenbogen-Brücke vor Odaiba in Tokio – trotz Pandemie macht sich Tokio schon für die Sommerspiele bereit.
© AFP

Von den Olympischen Sommerspielen in Tokio (23. Juli bis 8. August 2021) vernimmt man unterschiedliche Signale. Internationales Olympisches Komitee und große Teile der Regierung gehen von einer Durchführung trotz Pandemie aus, doch auch Gegenstimmen sind zu vernehmen.

Peter Mennel: Die Athleten haben es sich verdient, dass die Wettkämpfe durchgeführt werden, vor allem nach dem turbulenten letzten Jahr. Viele sind seit fünf Jahren in der Vorbereitung für diesen Tag X und es wäre fatal, ihnen diese Möglichkeit zu verwehren.

Was glauben Sie? Finden die Spiele statt?

Mennel: Wir wissen nicht einmal, was in vier Wochen in Österreich passiert. Also was wissen wir von Japan ...

Haben Sie eine Vorstellung, wie die Wettkämpfe ablaufen könnten?

Mennel: Egal ob mit oder ohne „Bubble“ (Blase, Anm.) – man muss alles unternehmen, damit sie stattfinden. Die Sportler haben es sich verdient, dass man alle Möglichkeiten ausschöpft. Natürlich steht die Gesundheit im Vordergrund, aber diesen Wettkampf müssen sie bekommen.

Immer wieder werden versicherungstechnische Überlegungen angeführt. Spielt Geld bei der Entscheidung für oder gegen die Sommerspiele eine Rolle?

Mennel: Thomas Bach (IOC-Präsident, früher Fecht-Olympiasieger im Team, Anm.) war selbst zu viel Athlet, dass er sich davon treiben lassen würde. Wenn es keine Zuschauer gibt, dann hast du zumindest das Fernsehen und hast dann Einnahmen. Vielleicht gibt es keine Zuschauer, vielleicht aber auch nur geimpfte.

Auch das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) ist ein Wirtschaftsunternehmen. Wie gehen Sie mit der Situation um?

Mennel: Natürlich – die Verschiebung ist ein großer Kostenfaktor. Aber wir werden alles meistern, der Athlet steht im Mittelpunkt.

Ein Schlagwort. Zuletzt war davon die Rede, dass Olympia-Athleten möglichst geimpft sein sollten.

Mennel: Wir wandten uns bereits mit der Bitte ans Ministerium, Tokio-Athleten in die Planung aufzunehmen und die Impfung zu reservieren. Um eine seriöse Vorbereitung für Tokio zu ermöglichen, sollte man die Sportler bald einmal nach den Risikogruppen, dem Gesundheits­personal, eben nach der Gruppe der Priorisierung drannehmen.

Wie sieht es mit dem Österreich-Haus aus? Auch das kostet Geld ...

Mennel: Wir spielen verschiedene Szenarien durch. Schließlich haben wir uns einen unglaublich interessanten Platz im Zentrum mit drei Mio. Leuten Frequenz/Tag gesichert. Es wär­e schade, wenn man diesen nicht für einen Auftritt nach Covid nützen würde. Wer rasch und schnell dies­e Werbemöglichkei­t nutzt, wird aus der einsetzenden Reisetätigkeit auch Vorteile ziehen. Der japanisch­e Markt ist für Österreich unglaublich interessant.

Die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking werfen ihre Schatten voraus, wenngleich die Testbewerbe nicht stattfinden können.

Mennel: Peking ist sicher eine Riesenherausforderung für all­e. In China ist die Wettkampf-Durchführungserfahrung in Schneesportarten nicht aus der Historie gewachsen. Ich kann nur hoffen, dass die Chinesen genügend internationales Know-how einkaufen, um das Manko auszumerzen. Es schmerzt brutal, wenn keine Testbewerbe stattfinden, bei denen alle lernen können.

Das Gespräch führte Florian Madl


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