Cortina wirft mit strengen Regeln den Rettungsanker für die Ski-WM

Mit 95 Millionen Euro soll die Ski-WM in Cortina (8. – 21. Februar) ein Highlight sein. Dabei wirft gerade hier die Corona-Pandemie einen langen Schatten.

Cortina d’Ampezzo präsentiert sich dieser Tage tief winterlich – zur Ski-WM wird eine Corona-Testoffensive gestartet.
© AFP

Von Roman Stelzl

Cortina d’Ampezzo –Die mächtigen Dolomiten, tief verschneit und eingepackt in dicke Wolken – es ist die Szenerie der gestrigen Online-Pressekonferenz, die sich wunderbar in das aktuelle Bild der Ski-Weltmeisterschaft in Cortina d’Ampezzo (ITA) einfügt. Es könnte alles so schön sein, so majestätisch, so winterlich und vor allem sportlich – doch dabei bestimmt seit Monaten die Covid-19-Pandemie die WM-Vorbereitungen (8. bis 21.2.). Damit es dennoch was wird mit den Titelkämpfen, wird mit strengem Protokoll gearbeitet.

  • WM über allem: In Gesprächen mit FIS-Renndirektor Markus Waldner taucht nichts so oft auf wie die Worte „Cortina“ und „WM“. Und das aus gutem Grunde: Die Wettbewerbe bei den Olympia-Co-Gastgebern von 2026 sind das Highlight. Die ganze Saison spitzt sich drauf zu, Risiken werden und wurden im Vorfeld stets minimiert, so auch bei der Verlegung der Herren-Slaloms von Kitzbühel nach Flachau im Jänner. Der Grund: Erst die WM füllt die Taschen. „Dort wird sehr viel Geld generiert über Marketing und TV-Rechte. Dieses Geld wird dann an die Verbände ausgeschüttet, damit wir die Saison überleben“, meinte Waldner.
  • Investition: Denn das finanzielle Loch droht ein ganz großes zu werden. Zumal im gut 6000-Einwohner-Örtchen Cortina schon viel Geld investiert wurde. „Von 2017 an hat uns die Regierung 40 Millionen Euro garantiert, wir haben eine gesamte Investition von 95 Millionen Euro“, meinte der Regierungsbeauftragte für die WM, Valerio Toniolo, und ergänzte: „Wir wollten Cortina begleiten, um ein Vermächtnis zu hinterlassen.“
  • Covid-19-Protokoll: Zuschauer sind zwar keine vor Ort, was Ex-Star Kristia­n Ghedina als „Torte ohne Schlagobers“ bezeichnet. Und dennoch werden alles in allem gut 3500 Leute im auf 1200 Meter hoch gelegenen Olympia-Gastgeberort von 1956 tätig sein. An die 600 Skirennläufer aus 70 Nationen nehmen an 14 Tagen bei 13 Rennen teil. Wie das gehen soll ohne Zwischenfall? Das ist de facto ausgeschlossen, denn es wird auch restriktiv getestet: Schon acht bis zehn Tage vor der Ankunft muss ein negativer PCR-Test vorgelegt werden, drei Tage davor ist ein weiterer notwendig, gefolgt von einem Antigen-Test bei der Ankunft. Danach wird alle drei Tage getestet, das gilt auch für die rund 450 Medien-Akkreditierten. Das ist gut und konsequent – positive Fälle und Corona-Schlagzeilen sind bei dieser Testoffensive aber vorprogrammiert.
  • Rettungsanker: Auch wenn die Infektionszahlen in der Provinz Bellun­o wieder sinken: Das strikte Covid-19-Protokoll braucht es zur „Rettung“ der Region, zumal die Skigebiete frühestens am 15. Februar aufsperren. „Wir haben die Ziellinie jetzt direkt und klar vor uns“, sagt Cortina-­Bürgermeister Gian­pietro Ghedina. Bleibt nur abzuwarten, ob man hinter dieser Ziellinie auch zufrieden abschwingen kann.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung jederzeit digital abrufen, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

TT ePaper

Kommentieren


Schlagworte