Mutter mit Küchenmesser erstochen: 17 Jahre Haft

Ein 56-jähriger Mann ist am Donnerstag am Landesgericht Eisenstadt nicht rechtskräftig zu 17 Jahren Haft verurteilt worden, weil er im vergangenen Juli in Mühlgraben (Bezirk Jennersdorf) seine Mutter mit einem Küchenmesser erstochen haben soll. Das Geschworenengericht sprach ihn mit acht zu null Stimmen wegen Mordes schuldig. Der Angeklagte hatte sich geständig gezeigt. Sowohl der Staatsanwalt als auch der 56-Jährige gaben keine Erklärung ab.

Eine bedingte Strafnachsicht, bei der dem Angeklagten drei Jahre Haft wegen sexueller Belästigung und Nötigung bedingt nachgesehen wurden, werde widerrufen, sagte Richterin Birgit Falb. Der 56-Jährige hatte nach einem Streit im Wohnhaus des Bruders ein Messer aus der Küche geholt und seine Mutter mit mehreren Schnitten und Stichen getötet. Anschließend wollte er sich das Leben nehmen, wurde aber verletzt festgenommen. Das Geständnis sei als mildernd zu werten, erschwerend seien aber die Vorstrafe und die „heimtückische und qualvolle Begehensweise“, sagte Falb.

Verteidigerin Astrid Wagner hatte auf Totschlag plädiert. Der 56-Jährige, der schon immer ein schwieriges Verhältnis zu seiner tyrannischen Mutter gehabt habe, habe sich in einem Ausnahmezustand befunden. Die Tat sei etwas „völlig Irrationales“ gewesen. „Da sind Gefühle herausgebrochen, die sich über Jahre aufgestaut haben“, betonte Wagner.

Der 56-Jährige und seine Mutter hätten seit Anfang 2020 gemeinsam im Haus des Bruders gewohnt, um dort Umbauarbeiten durchzuführen und zu beaufsichtigen. Immer wieder sei es dabei zu Streitereien gekommen - das Verhältnis zu seiner Mutter beschrieb der Angeklagte vor Gericht als „Zeit meines Lebens schwierig - Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt“. Auch am 14. Juli sei es zu einem heftigen Streit gekommen, weil er die Frau gebeten hatte, ihm einen Bohrer aus dem Baumarkt zu holen. Dann sei er aber eingeschlafen und habe nicht mit dem Bohrer gearbeitet.

Die Mutter habe ihm Vorwürfe gemacht. „Sie hat gesagt, wie ich dazu komme, sie zu bitten, den Bohrer zu holen, wenn ich ihn nicht brauche.“ Der Streit habe sich aufgeschaukelt. Die Mutter habe ihm vorgeworfen, er sei „ein arbeitsscheues Gesindel, das vom Staat lebt“, erzählte der Angeklagte, der auch angab, seit Jahrzehnten ein Alkoholproblem zu haben.

Noch während der Auseinandersetzung habe er sich gedacht, dass er „die Welt von dieser Person befreien“ müsse, und sei in die Küche gegangen, um ein Messer zu holen. Er habe dort das größte Küchenmesser genommen, das er gefunden habe, und sei zurück ins Wohnzimmer gegangen, führte der Staatsanwalt aus. „Es gibt keinen Zweifel, dass er in dem Moment, in dem er zustach, töten wollte“, betonte er.

Seine Mutter habe noch geschrien: „Lass mich leben“, erzählte der 56-Jährige. Darauf habe er aber nichts mehr gesagt. Nach der Tat sei er erleichtert gewesen, dass die Streitereien vorbei seien. Er ging ins Dachgeschoß, setzte sich auf die Couch, rauchte Zigaretten und trank einige Flaschen Bier. Als die Schuldgefühle gekommen seien, sei es dann zu dem Selbstmordversuch gekommen, danach habe er sich zum Schlafen hingelegt, erzählte der 56-Jährige.

Verteidigerin Astrid Wagner betonte, dass es „eindeutig eine Affekt-Tat“ gewesen sei. „Wegen einem Bohrer ist noch keiner ermordet worden - man muss die jahrzehntelange Vorgeschichte mitdenken“, sagte sie. Immer wieder sei es zu Schlägen und Demütigungen durch die Mutter gekommen - auch weil der Sohn, im Gegensatz zu seinem Bruder, ihrem Erfolgsdruck nicht entsprochen habe.

Die Leiche der Mutter wurde erst am Abend des folgenden Tages gefunden, nachdem der Bruder des Angeklagten eine Nachbarin gebeten hatte, nach der Frau zu sehen, weil er sie telefonisch nicht erreichen könne. Die Nachbarin ging deshalb zum Haus. Dort habe ihr zunächst aber niemand die Tür aufgemacht, erzählte die Frau vor Gericht. Erst nachdem ihr Mann den Angeklagten angerufen habe, habe ihr dieser geöffnet und gesagt: „Ich habe gestern meine Mutter erstochen, es kommt jede Hilfe zu spät.“

Die Nachbarin habe dann mit ihrem Ehemann und dessen Bruder den Notruf getätigt. Über Probleme in der Familie habe sie nichts gewusst, sagte die Nachbarin. Der 56-Jährige, der aufgrund seines Alkoholproblems seine Arbeit verloren hat, sei ihr immer als hilfsbereiter Mensch begegnet.

Eine Sachverständige erläuterte, dass bei der Obduktion der Mutter Verbluten als Todesursache festgestellt worden sei. Tödlich seien folglich die Schnittverletzungen am Hals und nicht die Stichverletzungen am Bauch gewesen. Der Angeklagte erzählte, dass das Messer abgebrochen sei. Als seine Mutter gesagt habe, er solle sie am Leben lassen, habe er sich angesichts der Verletzungen gedacht: „Das geht sich nicht mehr aus.“

Richterin Birgit Falb verlas ein psychiatrisches Gutachten, das keinen Vollrausch und keine Unzurechnungsfähigkeit beim 56-Jährigen feststellte. Darin wurde angeführt, dass die Mutter „emotional instabil, aggressiv und dominant“ gewesen sei und die Familie traktiert und geschlagen haben soll. Der Angeklagte zeige durchaus „Elemente reuiger Einsicht“ und sei über sein Handeln schockiert. Es handle sich um „eine alte Rechnung, die für allemal beglichen wurde“, zitierte Falb aus dem Gutachten.


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