Lkw an jedem fünften tödlichen Fußgängerunfall beteiligt

Zum zweiten Mal jährt sich am Wochenende der folgenschwere Unfall eines neunjährigen Buben, der bei einem Unfall mit einem Lkw getötet worden ist. Das Unglück rückte vor zwei Jahren die Unfallgefahr durch den Toten Winkel in den Fokus. Ein Aufschrei folgte, Maßnahmen wurden bisher jedoch wenige umgesetzt. Die Unfallstatistik zeigt, dass Unfälle mit Beteiligung von Lkw oftmals schwere Folgen haben, berichtete das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) am Freitag.

Wie die Unfallstatistik ergibt, sind Lkw im Schnitt zwar nur an sechs Prozent der Unfälle mit Fußgängern oder an drei Prozent der Unfälle mit Radfahrern beteiligt. Diese enden dann aber oftmals tödlich. Demnach verstarben zwischen 2015 und 2019 jeder fünfte getötete Fußgänger (21 Prozent) und jeder sechste getötete Radfahrer (16 Prozent) bei Unfällen mit Lkw-Beteiligung. Damit gibt es in diesem Bereich nach wie vor großes Potenzial zur Erhöhung der Verkehrssicherheit, eine Vielzahl an sinnvollen Maßnahmen - vom Abbiegeassistenten bis hin zu infrastrukturellen Adaptierungen wie getrennten Ampelphasen für den rechtsabbiegenden Verkehr und Fußgänger bzw. Radfahrer - steht zur Verfügung.

„Tiefenuntersuchungen zeigen, dass sich Toter-Winkel-Unfälle mit dem Radverkehr oft beim Rechtsabbiegen von Lastkraftwagen ereignen. Unfälle mit Fußgängern ereignen sich häufig dann, wenn der Lkw aus dem Stand anfährt und der Fußgänger unmittelbar vor dem Lkw steht oder quert“, erläuterte Klaus Robatsch, Leiter der Verkehrssicherheitsforschung im KFV, bei einer Pressekonferenz am Freitag.

„Das Thema muss ernst genommen werden von den politischen Entscheidungsträgern“, forderte Robatsch, „Sicherheit muss mehr Gewicht gegeben werden, es kann nicht nur die Leichtigkeit und Flüssigkeit des Verkehrs ausschlaggebend sein.“ Zahlreiche Maßnahmen könnten sofort umgesetzt werden. Dazu gehört beispielsweise der verstärkte Einsatz von Assistenzsystemen und ein Ansporn zur Förderung, diese wird „viel zu wenig ausgeschöpft“, sagte der Experte. Eine Umrüstung wird mit bis zu 25 Prozent bzw. 900 Euro pro Lkw gefördert. Auch in der Infrastruktur wären unmittelbar Maßnahmen möglich - etwa eine Verlegung der Haltelinie für Autofahrer und Radfahrer. Befindet sich diese auf gleicher Höhe, „sieht der Lkw-Fahrer den Radfahrer neben sich nicht“. Die Haltelinie kann aber einfach verlegt werden, etwa durch einen vorgezogenen Wartebereich für Radfahrer vor der Haltelinie des motorisierten Verkehrs, sodass sich Radfahrer gut sichtbar davor aufstellen können.

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„Relativ einfach umzusetzen ist etwa auch eine eigene Ampelphase für Rechtsabbieger“, erläuterte Robatsch. Auch wenn es dadurch zu einer Verlängerung der Umlaufzeit kommt, sei diese Maßnahme aus Sicht der Verkehrssicherheit sinnvoll und notwendig. Denkbar sind weiters vorgezogene Grünphasen für Fußgänger und Radfahrer, diese erscheinen dadurch früher im zentralen Sehbereich und werden besser wahrnehmbar. „Es ist genug Potenzial vorhanden“, betonte der Experte.

Wichtig sei Bewusstseinsbildung, was sich während der Corona-Pandemie aber schwierig gestalten könne. „Unfallanalysen verdeutlichen, dass Fußgängern und Radfahrern wichtige Informationen darüber, was Lkw-Lenker sehen können, fehlen. Ihnen ist oftmals nicht bewusst, dass Lkw-Fahrer sie in vielen Fällen nur schwer oder gar nicht erkennen können. Hier muss es uns gelingen, alle Verkehrsteilnehmer gezielt über die Sichtverhältnisse in Lkw aufzuklären“, sagte Robatsch.


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