„Lage in Unternehmen extrem angespannt“, Testen besser als Lockdown

Die Wirtschaft erhöht massiv den Druck auf Corona-Lockerungen ab 8. Februar. Alles andere sei wirtschaftlich und psychologisch untragbar.

Der Handel sollte am 8. Februar unter Auflagen wieder komplett aufsperren dürfen, ebenso wie persönliche Dienstleister
© AFP/APA

Von Alois Vahrner

Innsbruck, Wien – Die Stimmung und Lage in vielen Unternehmen seien im aktuell dritten harten Lockdown „extrem angespannt“, sagt Wirtschaftskammer-Österreich-Generalsekretär Karlheinz Kopf zur TT. Den Lockdown weiter zu verlängern (die deutsche Kanzlerin sprach sogar von Ostern; Anm.) hätte katastrophale Folgen für Betriebe und Arbeitsplätze. „Und da spielen die Menschen dann auch nicht mehr mit, das ist weder wirtschaftlich noch psychologisch zumutbar.“

Etwa 60 Prozent der Corona-Infektionen passieren im privaten Haushalt und nur 2 bis 3 Prozent in den Betrieben, so Kopf. Es gebe zu wenig Vorsicht im Privatbereich. So würden bei der Essensabholung in der Gastronomie teils Essen für 10 bis 15 Personen bestellt. „So große Haushalte kenne ich jedenfalls nicht.“

„Gebot der Stunde heißt Testen, Testen und nochmals Testen"

Die Wirtschaftskammer drängt vehement auf eine Öffnung unter Auflagen des kompletten Handels und der persönlichen Dienstleistungen ab Montag, den 8. Februar. In der Gastronomie und in der Hotellerie sei eine Öffnung leider noch nicht realistisch, Kopf wünscht sich hier aber ein Aufsperren spätestens Anfang März.

Wirtschaftskammer-Generalsekretär Karlheinz Kopf.
© gepa

Zumal angesichts knapper Impfstoffe eine entsprechende Durchimpfung großer Teile der Bevölkerung nicht vor Spätsommer realistisch sei, brauche es neben Masken, Abstandhalten und Hygiene vor allem breitflächige Tests. „Das Gebot der Stunde heißt Testen, Testen und nochmals Testen, und dann ist das auch wirkungsvoller als jeder Lockdown.“ Die Test-Möglichkeiten, auch in den Firmen, sollten deutlich ausgebaut werden. Dazu habe man auch einen Generalkollektivvertrag fixiert. Sinnvoll wäre eine Antigen-Testung von Mitarbeitern mindestens einmal in der Woche (sonst müssen in etlichen Berufsgruppen FFP2-Masken getragen werden), ein negatives Testergebnis könnte auch als „Eintritts-Erlaubnis“ in die Gastronomie, Hotels oder bei Veranstaltungen gelten. „Das ist ein starker Anreiz sowohl für Tests als auch dann bei Impfungen.“

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Jede Woche Lockdown kostet in Tirol 1 Mrd. Euro

Laut einer market-Umfrage der Wirtschaftskammer Österreich wollen sich in Tirol, Salzburg und Vorarlberg 60 Prozent der Bevölkerung wiederholt testen lassen, die vielfach geltende FFP2-Maskenpflicht befürworten 68 Prozent der Befragten. 71 Prozent der Befragten möchten sich impfen lassen (sogar 84 Prozent der Älteren). Für erste Öffnungsschritte aus dem momentanen Lockdown sind demnach 75 Prozent.

Jede Woche Lockdown koste allein die Tiroler Wirtschaft 1 Mrd. Euro, mit indirekten Effekten seien es sogar 1,7 Mrd. Euro, sagt der Tiroler WK-Präsident Christoph Walser. Handel und persönliche Dienstleister müssten übernächste Woche wieder öffnen. „Die Rollläden müssen hoch, sonst bleiben viele für immer unten.“ Gerade auch der Tourismus brauche jetzt rasch Planungssicherheit und eine Öffnungs-Perspektive, so Tirols Tourismus-Obmann Mario Gerber.


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