Nazi-Opfer aus Österreich vermachte Exilgemeinde Vermögen

Ein vor den Nazis geflohener Österreicher hat sein Vermögen einer französischen Gemeinde vermacht, die ihn 1943 aufgenommen hatte. Der am ersten Weihnachtstag mit 90 Jahren verstorbene Eric Schwam habe der Kommune Chambon-sur-Lignon einen „beträchtlichen Betrag“ hinterlassen, sagte der Bürgermeister Jean-Michel Eyraud am Freitag. Aus dem Rathaus ist von rund zwei Millionen Euro die Rede.

Schwam war mit seiner jüdischen Familie als Jugendlicher vor den Nationalsozialisten nach Frankreich geflohen. Er ging von 1943 bis 1950 in Chambon-sur-Lignon auf eine Schule, die von Protestanten im Geist des Widerstands gegen staatliche und religiöse Unterdrückung gegründet worden war. Später studierte der Österreicher Pharmazie und heiratete eine Französin.

Das Vermögen des kinderlosen Schwam, dessen Frau im Jänner des Vorjahres verstorben war, soll laut dem Testament in Stipendien für Jugendliche fließen oder an Unternehmen gehen, die sich in der Gemeinde angesiedelt haben. In der Gegend im Verwaltungsbezirk Ardèche fanden während des Zweiten Weltkriegs rund 2.500 Juden Zuflucht. Ihre französischen Helfer wurden dafür von Israel mit dem Titel „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet. Ein Museum in Chambon-sur-Lignon erinnert an den Widerstand in der Region.

Laut Berichten im Internet nahmen die Einwohner ab 1942 auf Initiative des Pfarrers André Trocmé, seiner Frau Magda und anderer Bürger Juden auf, die von der Verschleppung in die Konzentrationslager bedroht waren. Sie wurden in den Häusern der Bewohner, in den Bauernhöfen der Umgebung und sogar in öffentlichen Gebäuden untergebracht. Rückten Patrouillen der Deutschen Wehrmacht oder der SS an, wurden sie außerhalb des Ortes versteckt. Sobald die Soldaten wieder abgezogen waren, gingen die Einwohner in die Wälder und sangen ein bestimmtes Lied, um den Juden anzuzeigen, dass die unmittelbare Gefahr vorüber war.

Zudem versorgten die Bewohner dieser Gegend die Verfolgten mit Ausweispapieren und Lebensmittelkarten. Sie halfen ihnen auch beim (illegalen) Grenzübertritt in die Schweiz. Einige der Helfer wurden verhaftet. Darunter war auch Daniel Trocmé, ein Cousin des Pfarrers. Daniel Trocmé starb später im KZ Majdanek im von Nazi-Deutschland besetzten Polen.


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