Einsatzfahrzeug löst in Steeg-Kaisers Lieferbus ab

Steeg-Kaisers ist die einzige Außerferner Bergrettungs-Ortsstelle ohne Einsatzfahrzeug. Alles wird mit privaten Pkw organisiert. Jetzt springen die Gemeinden ein. Auch eine neue Einsatzzentrale ist in Aussicht.

Bei Alpinunfällen führt der Weg für Patienten und Bergretter meist durch unwegsames Gelände (Symbolfoto).
© Bergrettung

Von Simone Tschol

Steeg, Kaisers – Holzgau bekommt heuer eins, damit sind sie der letzte weiße Fleck auf der Landkarte der Bergrettung im Außerfern – zumindest was die Mobilität angeht: die 20 Mann der Bergrettung Steeg-Kaisers. Sie verfügen nämlich seit der Gründung der Ortsstelle vor 44 Jahren als einzige Alpinrettungsmannschaft über kein Einsatzfahrzeug.

Dieses „Alleinstellungsmerkmal“ wollen die Bergretter loswerden. Sie haben bei den Gemeinden einen entsprechenden Antrag eingebracht. Der Steeger Bürgermeister Günther Walch: „Die Bergretter waren immer sehr solide unterwegs und sind auch sehr sparsam. Sie hätten den Vorschlag gehabt, ein gebrauchtes Fahrzeug anzuschaffen. Wir haben uns das angesehen und überlegt, wie man das Problem lösen könnte. Letzten Endes sind wir zum Entschluss gekommen, dass es sinnvoller ist, noch ein Jahr zuzuwarten, dann aber ein neues Fahrzeug zu kaufen.“ Entsprechende Mittel für die rund 65.000 Euro teure Investition wurden in Steeg bereits ins Budget aufgenommen, in Kaisers noch nicht.

Der Entschluss sei aus zwei Gründen gefallen: Zum einen werde ein gebrauchtes nicht gefördert, zum anderen würden dann auch schnell wieder Reparaturen anfallen.

Für die Bergretter rund um Ortsstellenleiter Armin Hammerle heißt es also, sich noch ein wenig zu gedulden. Bis dahin werden Ausrüstung und Mannschaft noch mit den Privatautos transportiert. Wie schwierig das im Ernstfall ist, beschreibt Hammerle im Gespräch mit der TT: „Wenn wir ausrücken, nehmen wir die Ausrüstung in den Autos mit. An jenem Punkt, wo dann der Fußmarsch beginnt – wir können ja meist nicht bis zum Unfallort fahren –, stellt sich dann die Frage, in welchem Auto welches Seil ist. Und am Rückweg ist der Verletztentransport der Knackpunkt. Wir können ja nicht für alles den Heli rufen. Mit dem Auto nur dann möglich, wenn der Patient sitzen kann. Wenn nicht, wird schon mal der Lieferbus des Bäckers zweckentfremdet, um den Patienten ins Tal zu bringen und ihn dort dem Roten Kreuz zu übergeben.“

Zu den häufigsten Einsatzgebieten der Bergrettung Steeg-Kaisers zählt im Sommer der Weitwanderweg Lechweg. „Da werden wir oft gerufen, wenn Leute Probleme mit dem Kreislauf haben oder ausrutschen und sich kleinere Verletzungen zuziehen. Da gibt es dann die einen, die trotz aufgeschlagenem Knie noch weitergehen, und andere, die einfach liegen bleiben. Manche meinen ja, sie haben das alles mitgebucht“, so Hammerle. Im Winter gilt es mehrmals Skifahrer zu bergen, die sich von der Valluga ins falsche Tal verirren. Hammerle: „Das sind dann auch immer drei Stunden Fußmarsch für uns.“

In Sachen Einsatzzentrale tut sich ebenfalls was. Die Bergretter sollen vom Keller des Gemeindehauses in die Feuerwehrhalle Hägerau übersiedeln. Diese wurde durch die Zusammenlegung der Wehren Hägerau und Steeg frei und wird derzeit als Lager genutzt. BM Walch: „Das Fahrzeug wird 2022 geliefert werden. Bis dahin werden wir für das Lager einen anderen Platz finden.“


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