Neuer Plagiatsvorwurf gegen ÖVP-Politiker

Der Villacher Nationalratsabgeordnete Peter Weidinger (ÖVP) ist mit Plagiatsvorwürfen bezüglich seiner Diplomarbeit konfrontiert. Laut einem Bericht der „Kronen Zeitung“ vom Freitag fand der Salzburger Gutachter Stefan Weber 30 Textfragmente, die als Plagiat gewertet werden können. Weidinger legte sein Amt als Stadtparteiobmann zurück. Wie er gegenüber der APA sagte, wolle er auch seinen Titel „zurücklegen“. Laut Universität ist aber nur ein Aberkennungsverfahren möglich.

Weidinger sagte, dass man diesen Schritt vor dem Hintergrund der anstehenden Bürgermeister- und Gemeinderatswahlen in Kärnten am 28. Februar sehen müsse, bei denen er kandidiert. Er habe sich beim Verfassen der Arbeit bemüht, „nach besten Möglichkeiten zu agieren“, aber: „Ich habe nach 18 Jahren nicht mehr präsent, welche Quelle ich wo angegeben habe.“ Es sei für ihn schmerzlich, aber er verzichte auf seinen Magistertitel. Das habe er auch der Universität mitgeteilt. „Die ordentlichen Gremien der Uni Graz sollen das prüfen.“ Er habe das Weber-Gutachten, das er mittlerweile habe, seinem ehemaligen Betreuer, dem nunmehrigen Rektor Martin Polaschek übermittelt. Seinen Titel führen werde Weidinger in jedem Fall nicht mehr, zu möglichen politischen Konsequenzen wollte er nichts sagen.

Am Nachmittag bestätigte der Villacher ÖVP-Klubobmann Christian Pober Medienberichte, wonach Weidinger sein Amt als Villacher ÖVP-Stadtparteiobmann zurücklege, und zwar bis eine unabhängige Prüfung zu einem Ergebnis gekommen sei. „Nach der Gemeinderatswahl gibt es sowieso einen Parteitag. Wenn das Ergebnis da ist und kein Plagiat festgestellt wurde, kann er auch wieder kandidieren“, sagte Pober auf APA-Anfrage. Wenn das Ergebnis anders ausfällt, werde Weidinger „seine Schlüsse daraus ziehen“. So habe er bereits angekündigt, in so einem Fall sein Gemeinderats-Mandat nicht anzunehmen.

Im Interview mit dem ORF verwies der Kärntner ÖVP-Landesparteiobmann Martin Gruber am Freitag ebenfalls auf das Prüfverfahren, auf der Grundlage von dessen Ergebnis seien dann die Entscheidungen zu treffen. Wenn herauskommt, dass alles rechtens war, sei Sache erledigt, so Gruber: „Wenn etwas anderes herauskommt, nämlich eine Bestätigung des Plagiats, was seitens Uni momentan nicht so mitgeteilt wird, dann wüsste ich auf jeden Fall, was ich zu tun hätte.“

Plagiatsgutachter Weber erklärte in einer Aussendung am Freitag, Weidinger habe in seiner Arbeit zum Thema „Die Kanadische Kompetenzverteilung und ihre mögliche Bedeutung für die föderalistische Debatte innerhalb der EU“ englisch- und deutschsprachige Quellen plagiiert, „darunter im Internet zugängliche Dokumente wie einen Länderbericht oder ein universitäres Kanada-Lexikon“. Eine Software fand die Stellen. Zudem sei ihm aufgefallen, dass Weidingers Diplomarbeit schon vorher einmal mit der Software untersucht worden sei, also schon jemand anderes Verdacht geschöpft haben müsse.

Die Universität Graz wird nach einer Anzeige ein formelles Aberkennungsverfahren einleiten, sagte Sprecher Joachim Hirtenfellner auf APA-Anfrage. Ein einfaches „Zurücklegen“ eines akademischen Titels, wie Weidinger das formulierte, sei nicht möglich. Es werden dann mehrere Gutachten eingeholt, auch die Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität könne hinzugezogen werden. Im Anschluss könne die Beurteilung der Arbeit für nichtig erklärt und gegebenenfalls der akademische Titel aberkannt werden. Hirtenfellner bestätigte, dass der heutige Rektor Martin Polaschek damals Betreuer der Diplomarbeit Weidingers war. Darüber hinaus gab es zum konkreten Fall von der Universität mit Verweis auf ein schwebendes Verfahren keinen Kommentar.


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