Drei Wochen vor den Titelkämpfen in Oberstdorf knittert der WM-Anzug noch

In drei Wochen startet mit der Nordischen WM in Oberstdorf für Stefan Kraft und Co. der Winter-Höhepunkt. Im Team von Andreas Widhölzl gibt es einige Fragezeichen.

Vor der WM sucht der Zillertaler Philipp Aschenwald noch die Top-Form: Platz 30 am Sonntag in Willingen.
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Von Benjamin Kiechl

Innsbruck – „Wir müssen etwas machen, um beim Saisonhighlight gut dabei zu sein!“, sagt Andreas Widhölzl. Noch hat der ÖSV-Cheftrainer drei Wochen Zeit bis zum Beginn der Nordischen WM in Oberstdorf (23.2. bis 7.3.). Von einer ruhigen Vorbereitung kann im ÖSV-Adlerhorst derzeit aber keine Rede sein. Die Ränge 23 und sechs von Stefan Kraft am vergangenen Wochenende in Willingen (GER) stehen sinnbildlich für die Berg- und Talfahrt der Österreicher.

Fehlender Flow: Der WM-Anzug knittert an mehreren Stellen, weiß Widhölzl. „Wir jagen dem Flow noch hinterher und bekommen eine auf den Deckel. Das stärkt nicht die Lockerheit der Athleten.“ Das endgültige Aufgebot (fünf oder sechs Springer) wird erst vor dem Weltcup in Rasnov (18.–20.2.) nominiert. Von einer kompakten Mannschaft, die man gerne dem ÖSV-Präsidium vorschlagen möchte, sind die Adler derzeit weit entfernt. Widhölzl prüft, ob manche Athleten Weltcups auslassen und das Training forcieren sollten. „Ich habe das Gefühl, dass wir ruhige Einheiten brauchen, damit alles lockerer und freier geht.“ Die Dichte mit Top-Athleten aus Polen, Norwegen und Deutschland ist enorm.

Routiniers schwächeln: Vor vier Jahren kürte sich Stefan Kraft in Lahti zum Doppel-Weltmeister, bei der WM in Seefeld 2019 konnte der 27-jährige Salzburger drei Medaillen holen. Neben einer Corona-Infektion machte dem zweifachen Gesamtweltcupsieger in diesem Winter der Rücken einen Strich durch die Rechnung. Die Formkurve von Michael Hayböck zeigt nach dem vierten Platz bei der Skiflug-WM in Planica wieder nach unten. In Willingen schauten nur die Ränge 21 und 41 heraus.

Gregor Schlierenzauer droht den WM-Zug überhaupt zu verpassen.
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Tiroler Fragezeichen: Philipp Aschenwald ist als potenzieller Siegspringer in den Winter gestartet. Der 25-jährige Zillertaler konnte sein Potenzial aber noch nicht aufzeigen. Rekordweltcupsieger Gregor Schlierenzauer droht mangels Top-Ergebnissen die WM zu verpassen. Für Thomas Lackner, der mit einem vierten Platz in Nischnij-Tagil (RUS) ins Tournee-Aufgebot sprang, sowie Clemens Leitner und Timon-Pascal Kahofer scheint ein WM-Ticket unrealistisch.

Damen fliegen davon: Bestens aufgestellt sind indes die Damen. Trotz der Ausfälle von Eva Pinkelnig und Jacqueline Seifriedsberger (beide verletzt) hat Trainer Harald Rodlauer ein schlagkräftiges Team mit fünf Athletinnen – und daran wird auch nicht mehr gerüttelt. Marita Kramer springt nach drei Saisonsiegen in vier Bewerben in WM-Form. Neben Kramer fahren die Wahl-Innsbruckerin Daniela Iraschko-Stolz, Chiara Hölzl, Sophie Sorschag und Lisa Eder zur WM. Eine junge Tiroler Weltcupspringerin ist derzeit leider nicht in Sicht, aber das könne laut Rodlauer „schnell gehen“.

Nordische Kombination: Zwei Tiroler als Fixstarter

Die ÖSV-Kombinierer wollen bei der WM in Oberstdorf wieder ihrem Ruf als „Medaillenbank“ gerecht werden – in Seefeld gingen gleich vier Medaillen auf das Konto von Bernhard Gruber, Franz-Josef Rehrl und Co. Ausgerechnet das genannte Duo verpasst die WM allerdings aufgrund eines Kreuzbandrisses (Rehrl) bzw. wegen Herzproblemen (Gruber). Fixstarter sind hingegen die beiden Tiroler Johannes Lamparter und Lukas Greiderer, die in dieser Saison bereits aufs Stockerl stürmten. Nach dem Weltcup in Klingenthal am kommenden Wochenende wird das endgültige Team nominiert. Um die drei freien Plätze rittern Mario Seidl, Lukas Klapfer, Thomas Jöbstl, Martin Fritz und Jungspund Stefan Rettenegger.

Auf ihre WM-Premiere freuen sich die Kombiniererinnen. Trainer Bernhard Aicher setzt auf ein Quartett: Lisa Hirner, Sigrun Kleinrath, Claudia Purker und die Tirolerin Anna-Lena Slamik, die beim Ramsau-Weltcup gute Figur machten. (ben)

Langlauf: Stadlober als Zugpferd

Das ÖSV-Langlaufteam steht nach den Erschütterungen der Operation Aderlass in Seefeld 2019 wieder einmal vor einem Neubeginn. Aushängeschild ist die seit gestern 28-jährige Radstädterin Teresa Stadlober. Der „Loipenfloh“ zeigte bei der WM in Seefeld mit zwei achten Plätzen auf und jubelte vor einem Jahr bei der WM-Generalprobe in Oberstdorf als Dritte (Skiathlon) vom Stockerl. In diesem Winter läuft die Langdistanzspezialistin trotz fehlender Konkurrenz aus Norwegen – die Skandinavierinnen ließen die Tour de Ski aufgrund der Corona-Pandemie aus – noch nicht ganz zur Hochform auf. Beim Weltcup in Falun (SWE) waren am vergangenen Wochenende nur die Plätze 30 (10 km Skating) und 20 (10 km klassisch) drin. Neben Zugpferd Stadlober ist auch Sprint-Spezialistin Lisa Unterweger (Stmk.) beim Saisonhöhepunkt dabei.

Bei den Herren darf der 23-jährige Tiroler Benjamin Moser auf das Ticket hoffen. Der Athlet vom SV Achensee verpasste zuletzt beim Weltcup in Falun als 58. die Sprint-Qualifikationshürde. (ben)


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