Immer mehr Branchen wollen öffnen, Wirte überlegen Demo

Kampfmaßnahmen nach Lockdown-Verlängerung für viele Wirte denkbar. Auch Nachtgastronomie und Hotellerie drängt auf Reintesten.

2015 demonstrierten rund 2000 Wirte und Hoteliers in Innsbruck gegen Steuererhöhungen. Auch jetzt geben sich Gastronomen kämpferisch.
© zeitungsfoto.at

Wien, Salzburg, Innsbruck – In der Hotellerie und Gastronomie wächst die Kritik an den Entscheidungen der Bundesregierung – sind sie doch weiterhin vom Lockdown betroffen, während kein konkreter Weg Richtung Öffnung bekannt ist. Viele Wirte zeigen sich nun kämpferisch.

„Manche sagen, dass sie sich das nicht mehr gefallen lassen und dagegen demonstrieren gehen wollen“, sagte Ernst Pühringer, Salzburger Fachgruppenobmann für die Gastronomie in der Wirtschaftskammer in den Ö3-Nachrichten. Ein Anliegen, das auch der Tiroler Wirte-Obmann Alois Rainer nachvollziehen kann. „Viele Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand. Es herrschen Unverständnis, Angst und Verzweiflung vor. Da ist es durchaus denkbar, dass Wirte sich solche Maßnahmen überlegen“, sagt Rainer, der aktuell aber ausschließt, dass die WK-Fachgruppe zu Demos aufrufen wird. Zuletzt demonstrierten im Jahr 2015 rund 2000 Wirte in Innsbruck. Damals wurde lautstark ge-gen eine Erhöhung der Mehrwertsteuer protestiert.

Auch jetzt sei die Stimmung sehr emotional, sagt Rainer. „Die Gastronomie bis nach Ostern geschlossen zu halten, entbehrt jedem Verständnis“, sagt Rainer, der auf Hygienekonzepte in der Gastronomie des vergangenen Sommers verweist.

Alois Rainer (WK-Obmann Wirte): „Viele Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand. Es herrschen Unverständnis, Angst und Verzweiflung vor.“
© Die Fotografen

Der Tiroler Wirte-Obmann drängt darauf, den Gastro-Betrieben in Skigebieten zu ermöglichen, ihre Lagerbestände abzubauen. „Die Skigebiete haben ohnehin nicht mehr lange geöffnet. Man sollte den Wirten an den Skipisten ermöglichen, Take-away anzubieten“, sagt Rainer.

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Gestern meldete sich auch die Nachtgastronomie zu Wort. Dort haben viele Betriebe seit fast einem Jahr durchgehend geschlossen. Man gesteht zwar ein, dass eine Öffnung nicht absehbar und ein Normalbetrieb in weiter Ferne sei – „aber es könnte anders aussehen“, so der Sprecher der Nachtgastronomen, Stefan Ratzenberger. Es geht den Betreibern von Discos, Bars und Co. ums Freitesten. Das allerdings gibt es momentan beispielsweise für körpernahe Dienstleistungen wie beim Friseurbesuch, nicht aber für Lokale, Kinos und Kulturveranstaltungen. Ratzenberger fordert eine Perspektive und plädiert dafür, „endlich zu beginnen, mit der Pandemie leben zu lernen“. Er fordert einen Dialog mit der Politik. Angebracht sei eine eigene rechtliche Definition der Nachtgastronomie im Rahmen der Tourismusbetriebe, um adäquat auf deren Belange reagieren zu können. Auch die 5-prozentige Mehrwertsteuersenkung gehöre bis Dezember 2022 verlängert. Weiters fordern die Nacht-gastronomen einen 100-prozentigen Fixkostenzuschuss.

Auch im Tourismus ist der Ärger weiter groß. Die Tourismusberatungsgruppe Prodinger bezeichnete die Entscheidungen als „nicht mehr nachvollziehbar“. Viele Betriebe hätten in der derzeitigen Situation ihre Sicherheit in Planung und Betriebsführung verloren. Aussagen wie „vielleicht Ostern“ machten jede seriöse Planung unmöglich. Das Konzept des Reintestens finde keine Beachtung. Der Berater kritisiert auch „bürokratisch aufgeblasene“ Corona-Hilfsmaßnahmen.

WKÖ-Präsident Harald Mahrer äußerte gestern Verständnis, dass jetzt noch nichts passiert, weil die Auswirkungen der Lockerung des Lockdowns noch nicht genau absehbar sind. Doch wünscht er sich schon eine baldige Öffnungsperspektive. Auch er plädiert für mehr Anreize fürs Testen. „Mit einer Öffnung anderer Bereiche schaffe ich diese Anreize, weil die Häufigkeit eines Gasthausbesuchs eine höhere ist, als zum Friseur zu gehen.“ (ecke, APA)


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