Lager-Denkmal in der Reichenau: Langer Weg zu neuem Erinnerungsort

Im Schatten des Recyclinghofs steht derzeit die Erinnerungsstätte für das ehemalige Gestapo-Lager Reichenau. Das Gemeindemuseum Absam regt an, das Denkmal als ersten Schritt zumindest zu reinigen.
© Domanig

Innsbruck – Schon vor über fünf Jahren gab es in Innsbruck Bestrebungen, für die Erinnerung an das ehemalige NS-Lager Reichenau einen stilleren und würdigeren Ort zu finden. Nun nimmt diese Debatte, neuerlich angestoßen vom Gemeindemuseum Absam, politisch wieder Fahrt auf. Aktuell befindet sich der Gedenkstein, der seit 1972 ans Lager erinnert, ja direkt neben dem massiv frequentierten Recyclinghof in der Roßaugasse, also an einem denkbar ungeeigneten Standort.

BM Georg Willi (Grüne) kündigt eine denkmalrechtliche Prüfung an. Er verweist auf eine städtische Grünfläche an der nahe gelegenen Innpromenade, die sich als Standort eignen könnte – und seinerzeit auch schon konkret im Gespräch war.

Kulturstadträtin Uschi Schwarzl (Grüne) betont, dass die Stadt in enger Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv und dem Kulturausschuss des Gemeinderates bereits seit Längerem an einer aktiven Erinnerungskultur arbeite. Als Beispiele nennt sie die Gedenktafel für Diana Obexer-Budisavljević, die Tausende Kinder aus den Todeslagern der kroatischen Ustascha befreite, oder die Aberkennung der Ehrungen für den in der NS-Zeit tätigen Arzt Burghard Breitner (samt Umbenennung einer Bushaltestelle).

Die Frage eines würdigen Gedenkens an das Lager Reichenau sei jedoch von einer „viel größeren Tragweite“ als alle bisher umgesetzten Projekte, „weshalb eine gründliche Vorbereitung und wissenschaftliche Begleitung notwendig sind“. Der nächste Schritt seien nun eine wissenschaftliche Studie bzw. die Einrichtung einer Fachkommission, die Vorschläge zur Kontextualisierung des Denkmals sowie für einen neu zu schaffenden Erinnerungsort erarbeiten soll. Dies könnten Historiker der Uni Innsbruck in Kooperation mit dem Stadtarchiv sowie unter Einbindung des Kulturausschusses übernehmen, meint Schwarzl.

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Wenn es die Stadt ernst meine, wäre der erste Schritt, das Denkmal zu reinigen und auch einen 2008 privat gestifteten, kaum noch lesbaren Gedenkstein zu renovieren, merkt Matthias Breit, Leiter des Gemeindemuseums Absam, kritisch an. Vielleicht gelinge die Reinigung ja bis zum 3. Mai, jenem Tag, an dem sich die Befreiung Tirols und auch des Lagers im Jahr 1945 jährt, hofft Breit. Dazu müsse auch nicht erst der Kulturausschuss befasst werden. (TT, md)


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