„On All Fours“ von „Goat Girl“: Der einst gefühllose Cowboy weint

Unterwerfung und Ermächtigung: „On All Fours“ heißt die neue LP der Post-Punkerinnen von „Goat Girl“.

Bunt, divers, non-binär: „Goat Girl“ liefern auch in ihrem zweiten Album Post-Punk mit Haltung, wenn auch weniger laut.
© Holly Whitaker

Innsbruck – Was kommt dabei raus, wenn man der Ultramaskulinität des Marlboro-Man die Heteronormativität abschält und ihn durch einen feministischen, queeren, politischen Fleischwolf dreht? Der Rapper Lil Nas X. Seit vergangener Woche aber auch „Sad Cowboy“ des britischen Indie-Quartetts Goat Girl, eine dahingaloppierende Wüstenhymne, in der die Sonne unter Synthie-Klängen untergeht. Vom großen Freiheitsgefühl merkt man da nicht mehr viel. „The feeling we’re told / cannot be so“, der einst gefühllose Cowboy weint.

Festgehalten wird das auf dem inzwischen zweiten Album der Post-Punkerinnen „On All Fours“, das am Wochenende erschien. Mit Songs wie dem entlarvenden „Where Do We Go from Here?“ oder dem beklemmenden „Anxiety Feels“ legt das Quartett eine Platte vor, die subversiv, auch politisch ist, selbst wenn sie weit weniger laut gröhlt. Die Erbinnen der „Riot-Grrrls“ lassen’s leiser angehen.

Im ersten Album von 2018 hieß es in „Country Sleaze“ noch empört: „I am ashamed of this so-called human race“ in Richtung von Brexit-Großbritannien. Ihren Plattenvertrag hatten Clottie Cream, L.E.D., Rosy Bones und Holy Hole übrigens an dem Tag unterschrieben, an dem die Briten die EU abschrieben.

Inzwischen ist der Brexit durch, auch Corona hatte das Album nicht näher tangiert, „On All Fours“ wurde bereits vor einem Jahr fertiggestellt. Das Quartett hat schon vorher an ihrem Stil gebastelt, Instrumente untereinander ausgetauscht. Heraus kommt ein weitaus persönlicherer Longplayer, der da und dort kracht – immer öfter aber poppig schnurrt. So etwa beim leichten „Badibaba“ und dem psychedelischen „Jazz (In the Supermarket)“.

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Beirren lassen sollte man sich vom Titel „On All Fours“, und seiner sexuellen Konnotation nicht. Goat Girl betonen dazu: Unterwerfen heiße bei ihnen immer gleichzeitig auch Ermächtigen. Das beweisen die Girls auf dieser Platte einmal mehr. (bunt)

Indie-Rock Goat Girl: On all Fours. Rough Trade Records.


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