Netflix-Serie „Immer für dich da“: Unausgesprochenes im Raum

Katherine Heigl und Sarah Chalke zeigen in „Immer für dich da“, wie Freundschaft über Jahrzehnte hält.

  • Artikel
  • Video
  • Diskussion
Tully (Katherine Heigl, l.) und Kate (Sarah Chalke) sind seit dem Teenager-Alter beste Freundinnen.
© Netflix

Innsbruck – Die Zukunft des Journalismus ist weiblich, hieß es in den Achtzigern. Deshalb waren Tully und Kate damals auch ganz groß in die glänzende TV-Welt eingestiegen. Sie wollten die Welt verändern, im Fernsehen und auch außerhalb. Doch dann kam alles anders. Tully mutierte zu einem weißen Oprah-Abklatsch, der abends von Filmpremiere zu Film­premiere jettet und dabei immer großartig aussieht. Kate wurde Mutter, die ihre verheißungsvolle Karriere zum Wohle der Familie cancelte. Freundinnen sind die beiden geblieben, obwohl ihre Leben kaum unterschiedlicher hätten laufen können.

So weit, so bekannt. Man würde sagen, ein klassischer, weißer Serienplot. Um ordentlich Star­appeal war die Netflix-Serie „Immer für dich da“ (engl. „Fire­fly Lane“) außerdem nicht verlegen: Mit Sarah Chalke (Kate) und Katherine Heigl (Tully) engagierte der US-amerikanische Streaming­riese für seine Eigenproduktion, eine Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Kristin Hannah, zwei Serienprofis. Eine sichere Bank? Allzu glatt verläuft die Geschichte einer unerschütterlichen Freundschaft dann aber doch nicht.

📽️ Video | Trailer zu „Immer für dich da"

Der Zuschauer folgt der Erzählung stets über mehrere Zeitebenen (und unterschiedliche Frisuren) durch Aufs und Abs. Erst als Teenager lernen sich die beiden kennen. Auch wenn sich hier keine Freundschaft auf den ersten Blick offenbart, bald merken die uncoole, aber liebenswürdige Kate und die wilde und unberechenbare Tully, dass sie sich gegenseitig brauchen. Tully etwa findet in Kates Familie jenes spießige Zuhause, das ihr ihre Hippie-Mutter Cloud, die nur dank ihrer Drogen stets auf Wolke sieben schwebt, nie bieten konnte. Und Kate wird gern gebraucht und gern geleitet.

10x Wanderausrüstung zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Wirklich ausgeglichen ist das Verhältnis der beiden also nie. Es wabert ständig Unausgesprochenes im Raum. In 30 Jahren erzählter Zeit begegnen die beiden ernsten Herausforderungen wie sexuellem Missbrauch, Depression, Scheidung, Drogen oder der Ungleichstellung von Frauen und Männern im Medienbusiness. Ein Scheitern ist stets möglich.

„Immer für dich da“ ist, auch wenn es anfänglich so scheint, keine eintönige Freundschaftsgeschichte – selbst wenn es öfters mal kitschig wird. Kate und Tully sind weitaus facettenreicher als zunächst vermutet. Mit jeder Zeitebene verändern sie sich einmal mehr. Dass ein „immer“ auch ein Ablaufdatum haben kann, ahnt man schon bald. (bunt)


Kommentieren


Schlagworte