„Zeit der Befreiung“: Blick in Tirols Zeitgeschichte

Ab Dienstag ist die „Zeit der Befreiung“ wieder im Imster Ballhaus zu sehen. Sie zeigt auch Teile der Nazi-Dichtung von Jakob Kopp.

Die Ausstellung im Imster Ballhaus setzt mit seiner Dokumentation im Herbst 1944 mit der „Alpenfestung“ an.
© Paschinger

Imst – Am Dienstag sollte eine viel beachtete Ausstellung im Museum im Ballhaus wieder zugänglich sein. Im Sommer 2020 wurde die „Zeit der Befreiung“, die sich mit dem Kriegsende in Westtirol von Herbst 1944 bis in die unmittelbare Nachkriegszeit beschäftigt, eröffnet. Seit November dämmerte sie trotz großen vorangegangenen Interesses aufgrund der Corona-Maßnahmen in der obersten Etage des Ballhauses vor sich hin.

„Insgesamt versucht die Ausstellung ein Bild des Totalen Krieges und seiner Auswirkungen auf Westtirol, gleichzeitig aber das Kriegsende als Befreiung und Neubeginn zu zeigen“, fasst der Historiker Rainer Hofmann, der gemeinsam mit Sabine Schuchter vom Ballhaus und dem Imster Chronisten Franz Treffner die Ausstellung zusammengestellt hat, in der lesenswerten Broschüre zusammen.

Der Zeitraum ab Herbst 1944 sei deshalb gewählt worden, „weil Tirol ab diesem Zeitpunkt mit seiner vermeintlichen ,Alpenfestung‘ massiv in das Kriegsgeschehen einbezogen wurde“, so Hofmann. Dabei werden Rüstungsindustrie, Zwangsarbeiter und Widerstand beleuchtet.

Ein Schlaglicht fällt auch auf den aus Imst stammenden Mundart-Dichter Jakob Kopp (1871 –1960). Später vor allem wegen seiner Heimatdichtung bekannt und geachtet, erwies er sich in den letzten Kriegsmonaten 73-jährig als Nazi-Kriegshetzer mit inbrünstigen Aufrufen zum Volkssturm, gespikt von Antisemitismus. In der Stadt Imst wird nun bekanntlich die Jakob-Kopp-Straße umbenannt.

Beim Thema Kriegsende selbst stehen die Bezirke Reutte, Imst und Landeck im Mittelpunkt, die ebenfalls verstärkt in den Bombenkrieg hineingezogen wurden. Ziel des letzten Bombenangriffs in Tirol war am 20. April 1945 die Zugspitzbahn in Ehrwald. Gezeigt werden Bilder vom Siegeszug der 44. US-Infanteriedivision durch Westtirol mit letzten Gefechten (Fernpass, Imsterberg) und Aufnahmen der geschlagenen deutschen Verbände.

Den Amerikanern folgten die Franzosen als Besatzungsmacht. In zahlreichen Dokumenten und Bildern werden der Neubeginn, aber auch Fluchtbewegungen aufgezeigt.

Das Museum im Imster Ballhaus zeigt die Ausstellung noch bis zum 15. Mai: Dienstag, Donnerstag und Freitag von 14 bis 18 Uhr sowie am Samstag von 9 bis 12 Uhr. (pascal)


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