Musiker Boris Bukowski feiert 75. Geburtstag

Es gibt reichlich Grund zum Feiern für Boris Bukowski: Für den Musiker steht nicht nur sein 75. Geburtstag am heutigen Freitag an, heuer begeht er auch sein 60-Jahr-Bühnenjubiläum. Er selbst blickt aber lieber nach vorne, wie er sagt: „Ich bin kein großer Nostalgiker und lebe in der Gegenwart.“ Ohnehin ist der Schöpfer von Hits wie „Kokain“ oder „Euer Fritze mit der Spritze“ derzeit weniger mit Auftritten als mit Sport beschäftigt.

Denn natürlich hat auch ihn die Coronakrise erwischt. „Voriges Jahr musste die Hälfte meiner Auftritte abgesagt werden“, hielt Bukowski gegenüber der APA fest. „Das bedroht mich, anders als viele auch der besten Musiker, glücklicherweise nicht finanziell. Aber nicht auftreten zu dürfen, ist nicht lustig.“ Sein Gegenmittel ist also die körperliche Ertüchtigung. „Das hilft mir sehr, psychisch nicht durchzuhängen.“

Wobei Veränderung ohnehin eine Konstante ist in der langjährigen Karriere des Künstlers, hat er doch schon die verschiedensten Dinge ausprobiert und lag damit oft richtig. Geboren wurde er am 5. Februar 1946 in Fürstenfeld als Fritz Bukowski. Schon während des Gymnasiums und des darauffolgenden Jusstudiums begann die Bühnenkarriere, als Bukowski für diverse Gruppen als Mann an den Trommeln fungierte. Der erste Erfolg stellte sich schließlich mit Magic ein: Die Band veröffentlichte in der zweiten Hälfte der 70er-Jahre drei Alben und mehrere Singles. Nach der Auflösung stand für Bukowski zwar weiterhin die Musik im Fokus, allerdings aus einem anderen Blickwinkel.

Gemeinsam mit Andi Beit betrieb er ein Tonstudio, in dem u.a. Alben von STS, EAV oder Peter Weibels Hotel Morphila Orchester entstanden. 1985 ging es für den Musiker dann auf Solopfade: Sein selbstbetiteltes Debütalbum erschien und wurde auch von einer Tour begleitet. Zwei Jahre später wurde es für Bukowski „Intensiv“, wie die gleichnamige Platte nahelegte. Darauf fanden sich mit „Kokain“ oder „Hart und weich zugleich“ weitere Austropopperlen. Bei beiden Einspielungen fungierte Bukowski auch selbst als Produzent, „um seine eigenen Vorstellungen hundertprozentig umsetzen zu können“, wie es auf seiner Homepage heißt.

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Weitere Alben und erfolgreiche Singles sollten bis Mitte der 90er-Jahre folgen, bevor es etwas ruhiger um den Sänger wurde. Aus dem Sprung nach Deutschland, der zuvor zum Greifen nahe schien, war nichts geworden. „Ich bereue immer nur, was ich nicht gemacht habe. Was ich nicht gemacht habe, ist wahrscheinlich, rechtzeitig zu schauen, ob es am deutschen Markt eine Möglichkeit gibt“, meinte Bukowski dazu Jahre später. 1999 erschien schließlich mit „6“ ein Richtungsschwenk: Bukowski zeigte sich elektronischer und arbeitete ausgiebig mit Loops.

In den folgenden Jahren gab es etliche Auftritte, ein Best-of, eine Liveplatte sowie ein Album mit „Freunden“. Ende 2013 erschien mit „Unter bunten Hunden“ eine Anekdotensammlung des Musikers. „Ich bin nicht Keith Richards, dass sich alle brennend für die Stationen meines Lebens interessieren. Ich habe aber dafür mindestens genau so viel Spaß gehabt wie er“, verriet er dazu einmal im APA-Interview. Auch an neuem Material hat Bukowski in den vergangenen Jahren wieder gearbeitet und für die Veröffentlichung auf eine Crowdfunding-Kampagne gesetzt. 2017 erschien so das Album „Gibt‘s ein Leben vor dem Tod?“.

Rund um das nun anstehende Bühnenjubiläum sind natürlich auch einige Auftritte geplant - so es Corona zulässt. „Die Pandemie wird nicht die letzte Krise sein, die wir zu überwinden haben“, so Bukowski. „Meine Prognose: Bis zum Sommer wird‘s wohl bleiben wie es ist. Dann könnte es im Freien Events mit Abstandsregeln geben. Und bis zum Herbst könnten wir dann alle geimpft sein.“ Für sein Duoprogramm „BB privat“ hat er jedenfalls ein Update mit „schrägen Anekdoten“ fabriziert.

Davon abgesehen sehnt er sich naturgemäß nach dem Ende von Krise und Lockdown. „Ich kann‘s kaum erwarten wieder Freunde zu treffen, Konzerte zu spielen und zu besuchen, zu reisen, das große Kulturangebot hier in Wien intensiv zu nutzen und wieder einmal gemütlich essen zu gehen“, unterstrich der Musiker, der einen kleinen Appell nachschob: „Und je mehr Disziplin wir uns jetzt noch abringen können, desto schneller kommen wir ans Ende des Tunnels.“

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