VP-Tourismussprecher Mario Gerber steht im Kreuzfeuer

Mit seiner Ansage, dass sanfter Tourismus nicht die Antwort auf die Krise sein kann, hat VP-Tourismussprecher Mario Gerber einen Sturm der Empörung ausgelöst.

Keine Zeit zum Relaxen: Der Tourismus in Tirol liegt darnieder. Doch wie das System wieder hochfahren? Daran scheiden sich die Geister.
© Julia Hammerle

Innsbruck – Feinjustierungen ja, aber kein Rütteln am „Erfolgsfundament Tourismus“. Das hat VP-Tourismussprecher und Kammer-Spartenobmann Mario Gerber im TT-Gespräch gegenüber dem Koalitionspartner Grüne klargestellt. Wie berichtet, ist Gerber felsenfest davon überzeugt, dass die Forderung nach einem „sanften Tourismus“ das wirtschaftliche Zugpferd Tirols nicht aus der Krise holen werde.

Der Aufschrei nach Gerbers Ansage ist groß. Als „kurzsichtig und verantwortungslos“ bezeichnete der WWF die Positionen des schwarzen Landtagsabgeordneten und Kammerfunktionärs. „Anstatt einer rücksichtslosen Rekordjagd braucht es eine nachhaltige Tourismusstrategie, die wirtschaftliche Interessen mit den ökologischen und sozialen Anforderungen in Einklang bringt“, fordert WWF-Alpen-Expertin Elisabeth Sötz in einer Aussendung. Wenn, dann könne es nur einen „naturverträglichen Neustart“ geben. Und der WWF lässt einmal mehr keinen Zweifel daran, dass dies nur durch einen Stopp von Skigebiets-Neuerschließungen sowie einen Gletscherschutz ohne Ausnahmen gelingen werde. Zudem würde ein „vielfältigeres Angebot auch das wirtschaftliche Risiko minimieren“, so Sötz.

Einen „vernünftigen Post-Corona-Tourismus“ fordert der FP-Tourismussprecher im Nationalrat, Gerald Hauser, ein. Der Tiroler Weg dürfe nicht länger „einer Profitmaximierung für ausländisches Großkapital weichen“, spielt Hauser auch auf die Freizeitwohnsitzproblematik an. Der Tourismus müsse wieder einer breiteren Akzeptanz in der Bevölkerung und Tiroler Stärken (Regionalität, klein- und mittelständische Betriebe) zugeführt werden – auch mit Bettenburgen-Stopp und dem Erhalt intakter Natur.

Gerbers Vorstoß ist indes für Grünen-Tourismussprecher Georg Kaltschmid nichts anderes als „der verzweifelte Versuch der Funktionärs­clique, sich der eigentlichen Debatte zu entziehen“. Dass die Tiroler mehr Naturschutz wollten, habe unlängst die Tourismusgesinnungsstudie des MCI gezeigt. „Mit Augen zu und durch werden wir aber nicht aus der Krise kommen“, so Kaltschmid an die Adresse Gerbers gerichtet. (mami)

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