Landeck: „Windkraft hat Potenzial für die Energiewende“

Landecker Initiator hat bisher gescheitertes Venet-Projekt „nie begraben“.LHStv. Geisler und LUA Kostenzer sehen Chance auf Windparks in Tirol.

Der Venet bei Landeck hat laut Erhebungen von Initiator Kramarcsik genügend Potenzial für eine effiziente Windenergieanlage.
© Kramarcsik

Von Helmut Wenzel

Landeck – Tirol will bis 2050 energieautonom sein. Das hat die Landesregierung im „Statusbericht zur Energiestrategie“ (Mai 2020) festgeschrieben. Dem Thema Windkraft ist nur eine Randnotiz in dem 141-Seiten-Bericht gewidmet. Nämlich dass es in Tirol derzeit vier Kleinwindkraftanlagen gibt, drei davon haben eine Ökostrom-Anerkennung.

Schon vor einem Jahrzehnt sollten Windenergieanlagen (WEA) an mehreren Standorten in Tirol entstehen – etwa am Venet bei Landeck, im Wipptal oder in Anras (Osttirol). Doch keine einzige Anlage schaffte es von der Idee zur Umsetzung. Das lag wohl auch an LH Günther Platter, der damals erklärte, er sehe lieber Gipfelkreuze als Windräder auf den Tiroler Bergen.

Haben sich die Rahmenbedingungen inzwischen verbessert? – „Technisch ja. Die Windräder sind effizienter geworden. Politisch vermutlich nicht“, sagt Günter Kramar­csik, Windpark-Vordenker in Landeck. „Damals haben Experten im Auftrag des Landes einen Kriterienkatalog zur Windenergienutzung vorgelegt. Aber dieser verstaubt in einer Schublade.“

Kramarcsik investierte viel Zeit und Energie in das WEA-Projekt am Venet. Die nach wie vor realisierbare 12-Megawatt-Referenzanlage habe weder an Aktualität noch Attraktivität verloren. Nach wie vor sammelt er Fakten und Daten, auch zum Windpotenzial. Vor allem soll der von ihm konzipierte Windpark als eine Art Eigenverbrauchsanlage für die Venetbahn dienen. Dort würden Stromkosten von 400.000 Euro jährlich anfallen. Der Ertrag der WEA liege bei zwei Mio. Euro, abzüglich Wartung und Rückzahlungen würde noch immer ein Mindestertrag von 588.000 Euro übrig bleiben, hatte der Vordenker ausgerechnet. „Die Windradtechnik hat sich weiterentwickelt und ist heute viel effizienter als vor einem Jahrzehnt“, hob er hervor. Damit könne die im Kriterienkatalog von 4,5 auf 5,5 m/sec erhöhte Windgeschwindigkeit locker kompensiert werden. Dass zwei seiner damaligen Unterstützer, LR Anton Steixner und der Energiebeauftragte des Landes, Stephan Oblasser, heute nicht mehr aktiv sind, könne er nur bedauern.

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In der Windkraft stecke sehr wohl Potenzial für einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiewende in Tirol, hob LHStv. Josef Geisler im TT-Gespräch hervor. „Am Venet würde sich auch die benötigte Windgeschwindigkeit ausgehen. Aber die Wirtschaftlichkeit ist schwer darstellbar“, so Geisler. Windpark-Betreiber im Burgenland hätten bessere Rahmenbedingungen.

Auch Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer sieht „einige wenig­e“ Standort­e in Tirol, auf dene­n Windkraftanlagen machbar sind. „Aber man muss die Projekte im Einzelfal­l prüfen. Die Anlagen dürfe­n keinesfalls in Vogelfluglinie­n oder in Landschaftsschutzgebieten gebaut werden.“


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