Landestheater-Schauspieler zieht Bilanz: Hörbares Zwangspausenprogramm

Landestheater-Schauspieler Jan-Hinnerk Arnke zieht Bilanz über (fast) ein Jahr Corona.

Jan-Hinnerk Arnke, 51, stammt aus Berlin. Seit der Spielzeit 2012/13 zählt er zum Schauspielerensemble des Tiroler Landestheaters.
© Vanessa Rachlé / TT

Innsbruck – Im Winter 2020 hatte Jan-Hinnerk Arnke gerade einen richtigen Lauf: reges schauspielerisches Treiben am Tiroler Landestheater, beste Kritiken für seine Rollen in Stücken wie „Die Deutschlehrerin“ und „Stück Plastik“. Beim Gesprächstermin mit der TT ging es damals um Arnkes persönlichen Werdegang und um die Faszination und Tücken des Schauspielerberufs. Ein Stichwort fehlte komplett: Corona. Doch schon kurz nach Arnkes Zwischenbilanz legte eine inzwischen sattsam bekannte Pandemie den Kulturbetrieb lahm. Vollbremsung mitten in der laufenden Saison.

Gestern erreichte die TT Jan-Hinnerk Arnke am Telefon. Wie ist es ihm ergangen in diesem Jahr des wiederholten Stop & Go, im steten Wechsel zwischen Alles-Zusammenpacke­n und Vorsichtig-­wieder-Anfangen?

Vom Virus blieben er und seine Familie bisher verschont. Das ist das Positive. Und den Humor hat der gebürtige Berliner auch nicht verloren: „Ich frische gerade meine Kenntnisse in den Grundrechnungsarten auf – beim Home-Schooling mit der siebenjährigen Tochter.“

Arnke ist viel daheim, weil in Kurzarbeit. Niemand wagt eine Einschätzung, wann im Landestheater wieder vor Publikum gespielt wird. Hinter verschlossenen Türen läuft immerhin der Probenbetrieb. Schließlich soll es am Rennweg Herzeigbares geben, wenn auch der Theater-Lockdown einmal zu Ende geht.

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Edward Albees Klassiker „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ ist Arnkes aktuelles Stück. Es ist längst bühnenreif, Premiere wäre im Jänner gewesen. An die Proben erinnert sich Arnke gerne: „Vier Stunden weg von der Welt mit ihren ständig sich ändernden Corona-News.“ Das Einhalten aktueller Regeln – Hygiene, Abstand, Tests – ist für ihn eine Selbstverständlichkeit: „Wir stehen als Schauspieler besonders in der Verantwortung. Wir wollen und dürfen niemanden gefährden.“

Arnke erlebt die Corona-Zwangspause wie viele, denen höhere Gewalt den Wind aus den Segeln genommen hat: „Tatenlosigkeit ist für mich schwer zu ertragen, da hilft es, sich eine kreative Beschäftigung zu suchen.“

Besagter Tatendrang ließ Arnke und seine Frau Anne Clausen im Lockdown aktiv werden. Zusammen mit Schauspielerkollegin Wiltrud Stieger wurde ein Hörspiel produziert und veröffentlicht. „Tilly, Titania und die Flatterfreunde“ ist Shakespeares „Sommernachtstraum“ für Kinder aufbereitet. Hörspiel Nr. 2 ist schon im Werden: wieder Shakespeare – „Richar­d III.“ Dieses Stück war in der Komödienversion von Michael Niavarani 2019 am Landestheater zu sehen, mit Arnke als Mitwirkendem.

Und der weitere Ausblick? Sehr, sehr vage. März, vielleicht April könnte es werden, bis wieder Theater möglich wird. Doch Arnke kommt kein Wort der Klage über die Lippen. „Gerade jetzt ist es ein Privileg, als Schauspieler eine fixe Anstellung zu haben“, ist er sich bewusst. (mark)


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