200 positive Test an Schulen in Wien und Niederösterreich

Eine positive Bilanz hat Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) am Donnerstag zum Einsatz der neuen Antigen-Schnelltests an Schulen in Wien und Niederösterreich gezogen. Die Akzeptanz unter Schülern und Eltern sei groß, nur ein Prozent habe den Test verweigert. Insgesamt waren am Montag und Mittwoch 198 der 470.000 Tests positiv (75 Prozent Auszählungsgrad). Epidemiologe Gerald Gartlehner plädierte bei der Pressekonferenz dafür, die Gründe für diese geringe Zahl zu erheben.

Bei den ersten beiden Testdurchgängen am Montag und Mittwoch entfielen 142 positive Fälle unter Schülern, Lehrern und Verwaltungspersonal auf Wien, 56 auf Niederösterreich. In der Volksschule hat der Test bei 57 Kindern angeschlagen, in der Mittelschule und AHS-Unterstufe bei 34, bei den Oberstufen gab es 32 positive Schnelltests und unter Lehrern und Verwaltungspersonal 75. Das Ministerium führt die geringe Zahl entdeckter Infektionen unter anderem auf den Testzeitpunkt zurück: Wegen des bisherigen Lockdowns bzw. der Ferien sei mit einem geringeren Infektionsgeschehen unter Schülern zu rechnen gewesen. Außerdem seien in der Regel nur asymptomatische Kinder getestet werden, die sich gesund fühlen.

Falsch positive Ergebnisse dürfte es unter den 200 nur wenige geben: In Niederösterreich wurden laut Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) bei einer Stichprobenerhebung 80 Prozent der positiven Antigen-Schnelltests bei der Überprüfung mit der PCR-Methode bestätigt. In Wien war das laut Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS) bei 75 Prozent der Fall. Beide betonten den Stellenwert der Tests als zusätzliche Maßnahme, um die Schulen so lange wie möglich offenhalten zu können. Immerhin wären die Infizierten sonst weiter in den Klassen gesessen und hätten andere anstecken können.

Geht man nach den Herstellerangaben, müsste man laut Gartlehner allerdings allein bei 100.000 getesteten Schülern von 740 Fällen ausgehen, in denen es einen „falschen Alarm“ mit einem falsch positiven Ergebnis gibt. Dass trotz der wesentlich höheren Anzahl an Getesteten nur 198 Tests positiv ausgefallen sind und laut Stichproben der PCR-Nachtests noch dazu kaum falsch positive darunter sind, macht Gartlehner stutzig. Er vermutet daher, dass die Abstrichnahme durch die Kinder noch nicht optimal funktioniert. Er plädiert daher dafür, im Rahmen der Gurgelstudie die Aussagekraft der Tests zu prüfen und auch eine Studie zu machen, wie gut die Sekretabnahme durch Kinder funktioniert.

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Wichtig seien die Schultests aus epidemiologischer Sicht aber auf jeden Fall, betonte Gartlehner. Immerhin würden sich Kinder, anders als lange Zeit vermutet, ebenso oft mit Covid-19 anstecken wie Erwachsene und die Tests seien ein wichtiger Baustein, um Infektionen in den Schulen zu vermeiden.

Auch Faßmann betonte den Nutzen der „Nasenbohrertests“, auch wenn diese Infizierte nicht so zuverlässig identifizieren können wie ein PCR-Tests. „Wir erwischen bei unseren Tests die dicken Fische (mit einer hohen Viruslast, Anm.), die kleineren entgehen uns.“ Allerdings könne man letztere aufgrund der hohen Testfrequenz alle zwei Tage vielleicht beim nächsten Mal entdecken, wenn auch sie zu „dicken Fischen“ geworden sind.

Regelmäßige Tests mit der zuverlässigeren PCR-Methode hält Faßmann nicht nur wegen der fehlenden Laborkapazitäten für unrealistisch. Schon jetzt wird die Teststrategie allerdings um ein neues Produkt erweitert: Vor allem an den Oberstufen sollen nun auch „Flowflex“ genannte Plättchen-Tests zum Einsatz kommen, die bereits in den Teststraßen großflächig im Einsatz seien.

Faßmann verwies auf Daten der AGES, wonach in der Gruppe der Null- bis 19-Jährigen zuletzt 180 Corona-Infektionen pro Tag registriert wurden, nun seien es an zwei Tagen in Wien und Niederösterreich, die ein Drittel aller Schüler umfassen, rund 200 gewesen. „Das ist eine Größenordnung, die die AGES-Zahlen ganz gut ergänzt, weil hier Asymptomatische identifiziert wurden.“ Dazu komme, dass die Tests keine alleinige Maßnahme seien, sondern durch Maskenpflicht, Abstandhalten, Schichtbetrieb, Hygieneregeln und ab Ende Februar auch wieder durch die Schul-“Gurgelstudie“ ergänzt würden, bei der stichprobenartig per PCR-Verfahren das unerkannte Infektionsgeschehen an den Schulen überprüft wird.


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