Fahrt im Presscontainer: Katze mit sieben Leben im Oberland aus dem Müll gerettet

Eine Fisser Katze überlebte eine 40 Kilometer lange Fahrt im Presscontainer. Beim Abfallbeseitigungsverband spricht man von einem „Wunder“.

Die beiden Katzenretter Eva-Maria Weinseisen und Gerhard Mayerl suche­n derzeit nach den Besitzern des Vierbeiners.
© Reichle

Von Matthias Reichle

Fiss, Roppen – Eingeklemmt zwischen scharfkantigem und schwerem Sperrmüll überlebte sie nicht nur eine über 40 Kilomete­r lange Fahrt im Presscontainer, sondern auch den potenziell fatalen Sturz, als der Lkw seine Ladung über einer sechs Meter tiefen Grube abkippte. Eine Katze, die am Dienstagvormittag mit dem Müll von Fiss in die Anlage des Abfallbeseitigungs­verbandes Westtirol (ABV) in Roppen angeliefert wurde, sprang dem Tod gleich mehrfach von der Schaufel. Dass sie überlebte, grenzt an ein Wunder – da sind sich alle in der Deponie einig.

„Sie muss wirklich sieben Leben haben“, staunt die Biologin und Deponieleiterin Eva-Maria Weinseisen, dass das Tier scheinbar unverletzt angekommen ist. Was es erlebt hat, darüber kann man nur Vermutungen anstellen. Möglicherweise wurde die Katze sogar mit dem Müll im Presscontainer zusammengedrückt. „Sie muss einen Hohlraum gefunden haben“, spekuliert Weinseise­n, warum der Vierbeiner nicht zermalmt wurde.

Die Biologin hofft jedenfalls nicht, dass das Tier von jemandem im Müll „entsorgt“ wurde; sie geht eher davon aus, dass es sich während der Jagd nach Mäusen und Ratten dorthin verirrt hat.

Ein Martyrium

Dass die Katze einen Pressvorgang überlebt hätte, bezweifelt man im Recyclinghof in Fiss. Vermutlich habe es sich erst nach Schließung der Anlage im Container versteckt, bevor dieser dann abgeholt wurde. „Katzen sind unglaublich neugierig“ – und wenn sie sich ruhig verhalten, auch nicht mehr zu entdecken, sagt der Recyclinghof-Leiter. Beim Verladen bemerkte jedenfalls niemand, dass sich ein Lebewesen im Container befand.

Für das arme Tier war es sicher ein Martyrium. Der Sperrmüll wurde am Montag abgeholt und am Dienstag abgeliefert. Zum Katzenretter wurde schließlich ABV-Mitarbeiter Gerhard Mayerl. Er war gerade dabei, in der Halle den Magnetschrott mit dem Schaufelbagger zu verladen. Im großen Haufen dürfte sich die Katze nach ihrer Odyssee verkrochen haben. Und auch diesmal hatte sie unglaubliches Glück: Weder wurde sie unter der Schaufel zermalmt, noch von weiterem Schrott erschlagen. „Da geht sie elendiglich zugrunde“, schüttelt auch Mayerl, der wie Weinseise­n ein Katzenfreund ist, den Kopf über das unglaubliche Glück. „Sie war weiß-schwarz. Eine schöne, große Katze“, erinnert er sich an das Tier, das danach völlig aufgeschreckt durch die Halle lief, bevor es ins Freie entkam und dort im Wald verschwand.

Besitzer wird noch gesucht

„Vielleicht gibt es ein kleines Wunder“, hofft Weinseisen, dass die Katze, die sie derzeit mit Futter anlockt, wieder auftaucht. Auch nach dem Besitzer sucht man – bisher habe sich aber noch niemand gemeldet. Wer eine schwarz-weiße Katze vermisst, soll sich direkt beim ABV in Roppen melden, so Weinseisen.

Es ist übrigens nicht die erst­e Katze, die in Roppen mit dem Müll angeliefert wurde. Vor Jahren kam eine Katze aus Pfunds. „Sie hatte ein kaputtes Bein und danach lange einen Gips“, erinnert sich Mayerl­. Auf den Namen Frieda getauft, wurde sie zur Bürokatze. Nun hofft man wieder auf ein Happ­y End.


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