Neue Schau feiert 100 Jahre Engagement von Jüdinnen

Der Kampf für Israel war stets auch einer der Frauen, obgleich männliche Zentralfiguren wie Theodor Herzl oder Ben Gurion hier die Geschichtserzählung überstrahlen. Das eindrucksvolle Engagement von Jüdinnen für die Entstehung und schließlich das Gelingen des jungen Staates dokumentiert nun das Wiener Museum Judenplatz mit seiner Schau „Herzls Töchter“. Der Anlass ist das hundertjährige Bestehen des Österreichablegers der Women‘s International Zionist Organization (WIZO).

In Wien wurde der erste zionistische Frauenverein zwar bereits 1898 gegründet, aber 1921 in den im Jahr zuvor in London gegründeten WIZO-Dachverband eingegliedert, der heute 250.000 Mitglieder besitzt. Man organisierte etwa den III. Weltkongress Zionistischer Frauen 1925 in Wien und schuf eine WIZO-Zentralstelle für Kulturarbeit mit Sitz in Wien. Schließlich stand die Frage der Gleichberechtigung im erhofften Staat von Anfang an auf der Agenda der Aktivistinnen, was nicht zuletzt mit der Jugendorganisation und Reisen ins britische Mandatsgebiet unterstrichen wurde.

1938 zählte man alleine in Österreich 1.850 Mitglieder. Und so wurde die Rolle des WIZO in der Zeit des Nationalsozialismus bis zur Schließung im Jahr darauf essenziell, organisierte man doch in dieser Zeit Ausreisebewilligungen für Mädchen nach Palästina, respektive die Flucht nach Großbritannien. Nach dem Krieg erfolgte die WIZO-Neugründung durch vereinzelte Rückkehrerinnen oder heimatlos gewordene Frauen. In den folgenden Jahrzehnten dominierte dann zunehmend das Wohltätigkeitsengagement, werden von WIZO Österreich doch zwei Kindertagesstätten und eine Schule in Israel unterstützt.

Mit fotografischen Zeitdokumenten zeichnet die Ausstellung diesen Werdegang von der ersten Präsidentin Erna Patak ausgehend nach und bietet Videointerviews mit dem aktuellen Vorstand. Eine besondere Preziose indes ist wiederum einem Mann gewidmet, wenn auch als Produkt weiblichen Engagements: Erstmals ist in Wien eine Replika des Mitte der 30er Jahre vom Architekten Oskar Strnad und dem Judaistikkünstler Arthur Weisz geschaffenen Sargtuchs zu sehen, das 1949 bei der Überführung von Theodor Herzls sterblichen Überresten nach Israel den Sarg bedeckte und von einer israelischen Künstlerin nach dem erst 2019 wieder aufgetauchten Original angefertigt wurde.

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„Es ist mir wichtig, dass wir auch tolle Frauen zeigen“, begründete Museumsdirektorin Danielle Spera am Donnerstag vor Journalisten ihren Einsatz für die Thematik. Das nächste große Vorhaben ist dabei bereits im Entstehen begriffen: Im März soll nach jetzigem Coronastand die neue Dauerausstellung „Unser Mittelalter! Die erste jüdische Gemeinde in Wien“ eröffnet werden. Diese zeichnet im Untergeschoß des Museums die Geschichte der Gemeinde bis zu ihrer Zerstörung 1420 nach und zeigt neben den archäologischen Überresten der alten Synagoge, die sich unter dem jetzigen Mahnmal am Judenplatz finden, auch die politische Debatte um deren Erhalt im 20. Jahrhundert.

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