Museumschefin beklagt „Sahnehäubchen“-Status der Kultur

Das Vorarlberger Architekturinstitut (vai) hat am 9. Februar wieder geöffnet und seine aktuelle Ausstellung „Critical Care

Architektur für einen Planeten in der Krise“ fortgesetzt. Man sei zuversichtlich, was das Programm für das Jahr angehe, auch wenn Anpassungen vorgenommen werden müssen. Seitens der Kulturpolitik wünschte sich Direktorin Verena Konrad statt „Lippenbekenntnisse“ ein aktives Vorgehen, längerfristige Förderzusagen und eine Bekämpfung des Prekariats.

Die Pandemie hat auch die Arbeit im in Dornbirn beheimateten vai, das nächstes Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert, durcheinandergebracht. Die Architekturtouristen blieben aus, man zählte weniger Besucher. Die Ausstellung „Bauherrenpreis der Hypo Vorarlberg“ musste vorzeitig abgebrochen werden. Die aktuelle Schau „Critical Care“ wurde vorgezogen, ab 27. Mai soll eine Ausstellung zu Rudolf Wäger folgen. „Wir freuen uns wahnsinnig auf die Besucher“, so Konrad, auch wenn Veranstaltungen noch nicht möglich seien. Die Architekturtage im Juni werden stattfinden, aber teilweise digital.

„Es hat uns als kleines Haus schon hart getroffen“, berichtete die Direktorin der APA. Einnahmen lukriert das Baukulturzentrum, dessen Ausstellungen, Workshops und Schulangebote gratis sind, vor allem aus oft mehrtägigen Exkursionen internationaler Interessierter. „Die Exkursionen haben die anderen Sparten mitfinanziert, das war ein erfolgreiches System - bisher. Diese Einbußen sind nicht kompensierbar“, so Konrad. Auch im Programm sei ein „Business as usual“ in der Lage nicht möglich: „Wir fragen uns: Was ist noch relevant, wo sind jetzt die Interessen unserer Zielgruppen?“ Die Coronazeit will das vai aufarbeiten, aber erst mit einiger Distanz.

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Die finanzielle Situation des Hauses beurteilte die Direktorin, die 2018 Kommissärin und Kuratorin des Österreich-Pavillons der 16. Architekturbiennale in Venedig war, als „stabil“, die Subventionspartner hielten ihre Zusagen ein. Insgesamt gebe es für die Kultur, verglichen mit anderen Sparten aber „nur beschämende Beträge“. „Die Kultur wird als Sahnehäubchen betrachtet“, so die Direktorin. Vielen sei erst in der Pandemie bewusst geworden, wie viele Arbeitsplätze an der Kultur hängen. Die Existenzsicherung müsse von der Frage, welchen Beruf jemand habe, abgekoppelt werden. „Am meisten stört mich, dass Kultur nur über ihre Bedeutung als Arbeitsplatz, für die Standortattraktivierung und ihre Umwegrentabilität gesehen wird. Das ist eine unglaubliche Geringschätzung der Akteure“, beklagte Konrad in Richtung der Politik, „das Potenzial für die Gesellschaft wird nicht erkannt und nicht genutzt.“

Eine Stütze ist für Konrad die Zusammenarbeit mit den anderen Architekturhäusern und der IG Kultur, die in der sich rasch ändernden Lage wichtige Serviceleistungen erbracht habe und gegen das Prekariat auftrete. „Jetzt sieht man ‚s wirklich: Wir sind alle sowas von prekär unterwegs in Österreich“, sagte Konrad. In Österreich gebe es nur wenig aktive Kulturpolitik, manchmal habe man den Eindruck, es gebe gar keinen Ansprechpartner. Für Vorarlberg gelte das weniger, aber auch vonseiten des Landes habe man schon Kürzungen hinnehmen müssen. „Es ist immer das Gleiche: Wir reichen ein, wir warten ab. Jedes Jahr wird der Kuchen neu verteilt. Längerfristige Zusagen fehlen“, bedauerte Konrad. Das erschwere die professionelle Arbeit, auch wenn etwa der Bund inzwischen Zweijahresbeiträge zugestehe.

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