Polizeischüsse bei Demonstration in Myanmar

In Myanmar sind bei dem Versuch der Polizei Proteste aufzulösen mindestens sechs Schüsse gefallen. Das zeigen Video-Aufnahmen aus der Stadt Mawlamyine, die „Radio Free Asia“ am Freitag auf Facebook postete. Auf den Bildern ist zu sehen wie die Polizei einen der Demonstranten greift. Es wurden Geschoße auf die Polizisten geworfen, bevor die Schüsse abgefeuert wurden. Zuvor hatte die Junta versucht, sich mit der Freilassung von 23.000 Häftlingen etwas Luft zu verschaffen.

In Myanmar kommt es seit Tagen zu Protesten gegen den Militärputsch. Die Demonstranten fordern unter anderem die Freilassung der entmachteten De-Facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi. Ihre Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD) hatte die Parlamentswahl in November klar gewonnen. Das Militär erkennt dies aber nicht an und hatte am 1. Februar geputscht - dem Tag, an dem das neu gewählte Parlament zu seiner ersten Sitzung hätte zusammenkommen sollen.

Das Militär in Myanmar entließ indes knapp 23.000 Gefangene aus der Haft oder verkürzte ihre Strafen deutlich. Eine entsprechende Anordnung hat der Chef der Junta, General Min Aung Hlaing, unterschrieben. Auch 55 im Gefängnis sitzende Ausländer sollten freigelassen werden, schrieb die Zeitung „The Irrawaddy“ am Freitag auf Twitter. Zudem gilt es Berichten zufolge als wahrscheinlich, dass der prominente buddhistische Hassprediger Wirathu unter den Begnadigten ist.

Wirathu gilt als Kopf einer ultranationalistischen Bewegung. Die Justizbehörden hatten ihm „Aufruhr“ vorgeworfen. Der Mönch hatte seit Jahren Stimmung gegen Muslime in dem mehrheitlich buddhistischen Land gemacht und galt auch als Kritiker der Regierung der nun entmachteten Regierungschefin Aung San Suu Kyi.

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Beobachter glauben, dass das Militär mit den Begnadigungen Platz schaffen will, um mehr politische Gegner und Demonstranten festnehmen zu können. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation AAPP wurden seit dem Putsch in der Nacht auf den 1. Februar mindestens 220 Menschen festgenommen, darunter Politiker, Mitarbeiter der Wahlkommission, politische Aktivisten, Mönche und Demonstranten.


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