Weltschau fällt aus, Haflinger bleiben aber nicht im Stall

Die Haflinger-Weltausstellung am Ebbser Fohlenhof wird erst 2025 stattfinden. Der Zuchtbetrieb muss weiterlaufen: Heuer gab es die Hengst-Körung auch online.

„Westwind“ wurde bei der heurigen Körung als bester der neun Anwärter-Hengste bewertet.
© Fohlenhof

Von Jasmine Hrdina

Ebbs – „Es nützt nichts“, sagt Robert Mair. Der Geschäftsführer des Ebbser Fohlenhofs zieht die Reißleine: Die Haflinger Weltausstellung ist abgesagt. 600 Rassepferde wären am Unterländer Gestüt präsentiert worden, 20.000 Zuschauer hätte man dazu erwartet. Die nächste Gelegenheit gibt es erst 2025 wieder. Inzwischen muss der Zuchtbetrieb aber weiterlaufen. Und da gilt es, sich den pandemiebedingten Gegebenheiten anzupassen. Erstmals fand die Junghengst-Körung (Bewertung und Zulassung zur Zucht) des Haflinger Pferdezuchtverbands Tirol (HPT) heuer auch online statt.

Noch nie waren bei dieser Veranstaltung so wenig Besucher vor Ort – und gleichzeitig waren noch nie so viele Personen live dabei. Weil Veranstaltungen aktuell untersagt sind, wurde das Spektakel vergangenes Wochenende per Video im Internet übertragen. 17.000 Zuschauer in 27 Nationen verfolgten das Geschehen an ihren Bildschirmen. „Wir werden das auch in Zukunft streamen“, freut sich Mair über das rege Interesse, „aber prinzipiell wollen wir die Besucher schon vor Ort haben.“

„Die Züchter sind stolz auf ihre Arbeit und wollen die Tiere auch herzeigen", sagt Robert Mair.
© Hrdina

Dass das auch finanzielle Gründe hat, ist kein Geheimnis. Selbst das berühmte Haflingergestüt bleibt von den finanziellen Folgen der Lockdowns nicht verschont. Keine Eintrittsgelder, massiv eingeschränkter Reitbetrieb. Nun zieht man erste Konsequenzen: Die bereits von 2020 auf Anfang Juli 2021 verschobene Weltausstellung wird abgesagt. „Die Züchter brauchen Planungssicherheit. Und die kann niemand geben“, sagt der Gestütsleiter.

300 der 600 erwarteten Tiere wären unter österreichischer Flagge präsentiert worden, 250 davon stammen aus dem Tiroler Zuchtverband. Weltweit werden die Haflinger in 40 Staaten gezüchtet. Vertreter reisten bisher auch von außerhalb Europas nach Ebbs.

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Nun soll die Veranstaltung erst 2025 über die Bühne gehen. Die Weltausstellung um ein weiteres Jahr zu verschieben ist für Mair keine Option. „Keiner kann sagen, ob es dann überhaupt möglich ist. Und wir wollen den Fünfjahres-Rhythmus beibehalten.“ Man müsse auch auf das Budget achten – 100.000 Euro wurden bereits investiert und sind nun verloren.

Sollte es die pandemische Lage zulassen, soll es aber zumindest eine Art Landesschau geben, verrät Mair. „Die Züchter sind stolz auf ihre Arbeit und wollen die Tiere auch herzeigen. Da herrscht ein gewisser Wettkampfgedanke.“ Zudem feiert der HPT heuer sein 100-Jahr-Jubiläum. Mair hofft auf eine Entscheidung Ende März.

Inzwischen läuft die Arbeit der Züchter aber weiter. Und die gipfelt in der Körung der dreijährigen Junghengste. Neun vorselektierte Hengstanwärter wurden am ersten Februarwochenende vorgestellt. Käufer und Jury durften dafür am Fohlenhof vor Ort sein. Die Kommission nahm für die Bewertung nicht nur genetische Faktoren und Spermienqualität der männlichen Blondinen unter die Lupe, sie bewertete auch Erscheinungsbild, Gangdynamik und Charakter der Pferde. Am meisten überzeugen konnte heuer Hengst „Westwind“ vom Leutascher Züchter Hermann Rauth (HPT). Verkaufspreise der reingezüchteten Tiere (sie alle sind auf sieben Blutlinien zurückzuführen) starten bei 10.000 Euro, mehr will Mair „aus Respekt dem Käufer gegenüber“ allerdings nicht verraten.


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