Trump-Amtsenthebungsverfahren auf der Zielgeraden

Neuerliche Wende im Amtsenthebungsverfahren gegen Ex-Präsident Donald Trump: Entgegen einem Beschluss durch die demokratische Mehrheit wird es nun doch keine Zeugenanhörung geben. Ankläger und Verteidigung einigten sich am früheren Samstagnachmittag, lediglich einen Tonbandmitschnitt des Telefonats der Abgeordneten Jaime Herrera Beutler zum Protokoll zu nehmen statt sie selbst zu laden. Damit dürfte das Verfahren doch schon am Samstag mit einer Abstimmung enden.

Die republikanische Abgeordnete hatte in der Nacht auf Samstag über ein Telefonat zwischen Trump und dem republikanischen Minderheitsführer in der Kongresskammer, Kevin McCarthy, während der Erstürmung des Kapitols am 6. Jänner berichtet und damit den Ex-Präsidenten erneut belastet. Während McCarthy der Schilderung zufolge Trump in dem Gespräch mit Nachdruck aufforderte, einzuschreiten und seine Anhänger sofort zur Umkehr aufzufordern, soll Trump sich gleichgültig gezeigt haben.

Trumps Verteidiger Michael van der Veen entgegnete im Senat, falls Zeugen vorgeladen würden, würde er „mehr als 100 Aussagen“ brauchen, „nicht nur eine“. Er forderte daraufhin, das Verfahren ohne Zeugen zu Ende zu bringen. „Jetzt ist die Zeit, das zu Ende zu bringen.“ Van der Veen drohte, sonst auch die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sowie Vizepräsidentin Kamala Harris vorladen zu wollen. Seine Forderung nach einer Aussage der Demokratinnen zielte wohl vor allem darauf ab, die Ankläger davon abzubringen, die Tür für die Anhörung weiterer Zeugen zu öffnen.

Die Drohung der Trump-Verteidiger dürfte offenbar Wirkung gezeigt haben. Nach dem Votum über die Einvernahme von Herrera Beutler machte nämlich der republikanische Senator Ted Cruz klar, dass eine Ladung Pelosis „sehr wahrscheinlich“ sei. Sie sollte dazu befragt werden, warum die Sicherheitsvorkehrungen vor dem Kapitol-Sturm nicht erhöht worden seien. Als Vorsitzende des Repräsentantenhauses ist Pelosi auch für die Verwaltung des Kapitols zuständig. „Wenn die Demokraten die Büchse der Pandora öffnen wollen, wird das nicht gut für sie enden“, sagte Cruz.

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Eine Verurteilung Trumps war mit oder ohne Zeugenaussagen unwahrscheinlich. Einen Dämpfer erhielten die Demokraten durch Berichte, wonach auch der einflussreiche republikanische Mehrheitsführer Mitch McConnell für einen Freispruch Trumps stimmen werde. Berichte der „Washington Post“ und des Senders CNN wurden bisher aber nicht bestätigt. McConnell soll sich auf die Argumentation zurückziehen, es gebe keine rechtliche Grundlage für eine Verurteilung. McConnell hatte sich nach der Kapitol-Erstürmung mit teils scharfen Worten von Trump distanziert: „Der Mob wurde mit Lügen gefüttert“, sagte er Mitte Jänner, er sei „vom Präsidenten und anderen mächtigen Menschen“ angestiftet worden.


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