Neues Album von Tash Sultana: Harmonie im Loop

Abenteuerliche Mixturen: Das australische Multitalent Tash Sultana veröffentlicht den zweiten Longplayer.

Einer Schubladisierung entgeht Tash Sultana mit „Terra Firma“ einmal mehr. Die sauberen Stratocaster-Klänge sind leiser, aber noch da.
© Marietta Ouzas/Lemon Tree Music

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Schon das erste Album hätte es eigentlich nicht gebraucht. Für Tash Sultana lief es auch ohne ganz blendend. Seit 2016 hangelt sich das australische Multitalent von einem Streaminghit zum anderen. Mit „Jungle“, aufgenommen im eigenen Wohnzimmer, begann die steile Karriere des australischen Wunderkinds. Am kommenden Freitag legt die 1995 als Natasha Sultana Geborene mit „Terra Firma“ ganz viel neue Musik nach – eine facettenreiche Platte, in der sich Sultana von einer neuen Seite zeigt und die trotzdem irgendwie überflüssig scheint.

Tash Sultana steht seit Jahren allein auf der Bühne, ebenso wie im Studio. Mit 17 brachte sich Sultana das Looping selbst bei, mit dem sich Gitarrenriffs, elektronische Beats und analoge Bläserthemen zu einem lässigen Neo-Hippie-Mix schichten ließen. Sultana reüssierte international auf allen gängigen Festivalbühnen, die Fans sind begeistert von der energiegeladenen „One-Person-Show“.

Tash Sultana macht bewusst keine „One-Woman-Show“: Seit 2018 bezeichnet sich Natasha als non-binär, verwendet im Englischen das neutrale „they“ anstelle des weiblichen „she“. Verhalten, Geist, Persönlichkeit sei in der eigenen Definition vielmehr männlich denn weiblich, erklärte Sultana schon 2018 in öffentlichen Interviews. Die Selbstbezeichnung als nicht-binär sei „meine Art, das zu zeigen“.

Dabei braucht es weder männliches noch weibliches Fürwort, um die Stimme von Tash Sultana in den neuen 14 Songs einmal mehr als außergewöhnlich zu bezeichnen. Der Umfang reicht vom zärtlichen Falsett (in „Coma“) bis zum starken Alt (in „Vanilla Honey“).

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Keine Einordnung in Genre-Schublade

Und wie klingt Tash Sultana 2021? „It’s Eryka Badu meets Bon Iver meets John Mayer meets whatever“, beschreibt der australische Exportschlager seine neue Musik. Oder anders formuliert: Neo-Soul trifft auf saubere Stratocaster-Klänge. Die Gitarre ist überpräsent, auch wenn ausufernde Gitarrensoli wie damals auf der EP „Notion“ inzwischen der Vergangenheit angehören.

Tash Sultana hat sich bei „Terra Firma“ neue Fokusse gesetzt und für Songs wie „Greed“, „Crop Circles“ oder „Beyond the Pine“ mit anderen Musikern zusammengearbeitet. Bei „Willow Tree“ liefert Schulfreund Jerome Farah musikalischen Beistand. Farah ist seit 2019 auch bei Sultanas eigenem Label „Lonely Lands Records“ gesignt.

„Terra Firma“ entzieht sich wie schon das Debüt „Flow State“ der Einordnung in eine Genre-Schublade. Sultana taucht tief ein in Einflüsse von R’n’B, Hip-Hop und Jazz. Beim Ersthören fällt es schwer, eigenständige Hits auszumachen, vielmehr verschwimmt die Platte zu einem harmonischen Meer aus abenteuerlichen Soundmixturen. Im Sound abzusaufen, diese Gefahr ist real. Erst in weiter Ferne ist Festland in Sicht.

Alternative Tash Sultana: Terra Firma. Lonely Lands Records/Sony.


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