Erinnern statt anregen: Fastenzeitliche Interventionen im Innsbrucker Dom

Nicht neu, aber aktuell: Arbeiten von Hans Dragosits und Anton Christian werden als fastenzeitliche Interventionen im Innsbrucker Dom neu installiert.

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Hans Dragosits’ Arbeit „via crucis – Versuch einer zeichenhaften Verdichtung“ wurde wie schon 2013 im Mittelgang des Doms installiert.
© Foto Rudy De Moor

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Zum 21. Mal wird der Dom zu St. Jakob in der Fastenzeit, die heute beginnt, zum Kunstraum. 20-mal hatten der Arbeitskreis „Kunstraum Kirche“ und Florian Huber, Innsbrucks kunstaffiner Propst, mit der ein oder anderen Installation zum Nachdenken anregen können. Heuer trifft man im Dom auf bereits Bekanntes. Schon Mitte Jänner stand fest, dass sich das geplante Vorhaben für 2021 nicht umsetzen lässt, so Huber anlässlich der gestrigen Präsentation der diesjährigen fastenzeitlichen Kunstinstallation. Auch Corona hat seinen Beitrag dazu geleistet. Deshalb wurden für die inzwischen Tradition gewordene künstlerische Intervention zwei Arbeiten wieder aufgenommen, die bereits 2013 und 2014 im Dom zu sehen waren.

Einerseits ist das Hans Dragosits’ sehr persönliche Annäherung an den Kreuzweg, 14 schwarze Kuben als handschriftlich verdichtete Stationen, die wie schon 2013 im Mittelgang und unterhalb der barocken Kreuzwegstationen aufgestellt wurden. Zentral steht das drei Meter hohe Holzkreuz, welches alle Schriftbilder in sich vereint.

Wenn auch äußerlich gleich, so hat sich für Dragosits vor allem seine eigene Einstellung der Arbeit gegenüber seit 2013 verändert: Seine „via crucis“ hat heute eine weltumfassende Funktion, die weit über das Christlich-Religiöse hinausgeht, erklärt er. „Eigentlich eine positive Entwicklung“, meint der Innsbrucker.

Anton Christian hingegen bedauert die Aktualität seiner Arbeit „Der Fels – das Boot – das Wasser – der Stein“, die 2014 für einiges Aufsehen sorgte und an die jetzt mit einer von der Decke hängenden Abbildung erinnert wird. „Es ist schade, dass sich beim Thema Flucht nicht viel verändert hat“, gibt Anton Christian zu bedenken. Vor sieben Jahren schon gedachte er mit einem vor dem Dom gestrandeten Holzboot der dramatischen Situation von Geflüchteten auf der Insel Lampedusa. Zerschellt sei das Boot am Felsen des christlichen Europa, hieß es dazu. Sehe man sich die Entwicklung an, so Anton Christian, „hat sich die humanitäre Krise nur weiter zugespitzt“.

Dass seiner Arbeit aktuell nur mit einem Foto gedacht werden kann – die Installation wurde noch 2014 von bis heute Unbekannten zerstört – ist für Anton Christian nicht weiter bedauerlich: Es gehe jetzt eben um die Erinnerung an das Werk.

Das Wiederaufgreifen und die Kombination der beiden Arbeiten treffen laut Propst Huber für heuer den Nagel auf den Kopf. Für ihn sind die Werke zeitlos und bis heute drängend – gerade bei Anton Christian ist das nicht von der Hand zu weisen. Und doch wäre nach einem so kulturarmen Corona-Jahr selbst im kirchlichen Kontext für 2021 eine neue Anregung wichtig gewesen. Am ursprünglich für heuer geplanten Projekt will Huber dranbleiben. Vielleicht klappt’s ja 2022.


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