Starke Konkurrenz am Strommarkt, Gutmann setzt auch auf Wasserstoff

Tirol braucht einen Energiemix, meint Alexander Gutmann, Prokurist des gleichnamigen Energiehändlers und Tankstellenbetreibers.

Prokurist Alexander Gutmann im Pelletsspeicher in Hall.
© Foto Rudy De Moor

Wie sieht aus Ihrer Sicht die Energiezukunft aus?

Alexander Gutmann: Voller Vielfalt. Das wollen wir auch mit unseren strategischen Entscheidungen abbilden. Ein Teil davon ist zum Beispiel unser Pelletsspeicher in Hall. Der größte seiner Art in Österreich spiegelt unsere Vision der Energiezukunft im Raumwärmemarkt wider. In ein bis zwei Jahren wollen wir dort auch mittels Holzvergasern aus Pellets Gas produzieren. Mit diesem werden Motoren betrieben, die grünen Strom und Abwärme liefern. Die Abwärme wird in das Fernwärmenetz der Tigas eingespeist. Der Strom geht zu unseren Kunden. Wir glauben, dass die Konzentration auf nur eine Strategie beziehungsweise eine Energieform falsch ist.

Gutmann entwickelt sich zum Multi-Energieanbieter. Wie sieht dieser Mix aus?

Gutmann: Wir kommen aus dem Heizölgeschäft. 2009 sind wir in den Pelletsmarkt eingestiegen. Seit 2014 bieten wir Gas an, seit 2017 Strom. In Tirol wird es aus topografischen Gründen einen Energiemix brauchen, um die Klimaziele zu erreichen. Es gibt Täler, wo niemals eine Gasleitung hinführen wird, wo zu wenig Sonne scheint, um mit Photovoltaik Strom zu produzieren. Dort wird man etwas mehr auf Pelletsheizungen setzen. In der Inntalfurche werden hingegen Photovoltaikanlagen in Kombination mit einem alternativen Heizsystem mehr Sinn machen.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung jederzeit digital abrufen, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

TT ePaper

Wasserstoff ist noch kein Thema?

Gutmann: Doch, doch. Wir versuchen uns an Erzeugungsanlagen und Tankstellen. Derzeit sind zwei Projekte in Ausarbeitung, wir stehen kurz vor der Einreichung des ersten Projekts. Wasserstoff ist nicht nur im Verkehr, sondern auch im Wärmebereich ein Thema. Oft wird Strom dann produziert, wenn man ihn nicht braucht. Dieser Überschussstrom kann in Wasserstoff gespeichert, ins Erdgasnetz beigemischt und so zu den Kunden transportiert werden.

Sie bieten auch Photovoltaikanlagen an. Wie läuft da das Geschäft?

Gutmann: Die Auftragslage ist sehr gut. Seit Kurzem bieten wir als eine bequeme Option auch Mietkaufmodelle für Private an, genauso wie Contracting-Modelle für große Unternehmen.

Steckbrief

Alexander Gutmann studierte in Wien Wirtschaft, mit einem MBA schloss er den Universitätslehrgang „Generic Management“ an der Montanuni Leoben ab. Seit 2009 arbeitet er im Familienunternehmen. Vater Albert Gutmann ist Geschäftsführer, Alexander Gutmann Prokurist.

Neben dem Energiehandel betreibt das Tiroler Familienunternehmen österreichweit 100 Tankstellen. 380 Mitarbeiter erwirtschaften einen Umsatz von 365 Mio. €, wovon die Mineralölsteuern 120 Mio. € ausmachen. Da emobil, eine Kooperation mit Fiegl + Spielberger, ist im Bereich Ladesäulen tätig.

Wie funktioniert das?

Gutmann: Derzeit errichten wir eine Anlage auf einer Industriehalle. Wir mieten das Dach, investieren in die Anlage und liefern dem Unternehmen direkt sehr günstigen Strom. Den Überschussstrom vermarkten wir als Energiehändler an unsere anderen Kunden.

Seit etwa fünf Jahren ist Gutmann am Strommarkt tätig. Wie steht es um die Wechselfreudigkeit der Tiroler und die Konkurrenzsituation?

Gutmann: Die Wechselfreudigkeit ist sicher ausbaufähig. Wir geben uns viel Mühe, um potenziellen Kunden Angebote zu unterbreiten. Doch die Konkurrenz ist enorm. Tirol hat mit einer Ausnahme die höchsten Netztarife Österreichs und die geringsten Energiepreise. Diese Kombination hat der ehemalige Monopolist sehr gut erdacht. Doch Markt und Kunden verändern sich. In Zukunft wird es nicht mehr nur darum gehen, bei einem Anbieterwechsel von einem günstigeren Stromtarif zu profitieren. Wir wollen Konsumenten und Produzenten zusammenbringen. In Zukunft soll es für den Endkunden in Thaur möglich sein, direkt Strom aus der Photovoltaikanlage seines Bekannten in Rum zu beziehen. Wir wollen damit das Produkt greifbarer machen. Denn wer kann sich schon etwas unter einer Kilowattstunde Strom vorstellen?

Wie hoch ist der Umsatzanteil von erneuerbarer Energie bei Gutmann?

Gutmann: Derzeit liegt er zwischen 10 und 12 Prozent, der Anteil wächst ständig.

Welche Auswirkungen hat Corona?

Gutmann: Unser Umsatz ist bisher im laufenden Geschäftsjahr um 23 Prozent eingebrochen. Grund sind die Lockdowns. Der Verkehr ist viel weniger geworden, die Nachfrage nach Energieträgern fürs Heizen ebenso. Andere mussten schließen, wir hingegen mussten als Grundversorger alle Tankstellen offenhalten und konnten unsere Fixkosten deshalb nur marginal reduzieren.

Das Gespräch führte Frank Tschoner.


Kommentieren


Schlagworte