Künstler Bazant-Hegemark gibt Zoom-Kurs übers Kunst-Business

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Gratis-Art-Coaching auf Instagram, Zoom-Gespräche über the „Joy of Missing Out“, der Youtube-Kanal „Danis Welt“ für Kindergartenkinder, eine Podcast-Gesprächsreihe über „Kunst und Klischee“ - man kann nicht sagen, dass der in Wien lebende Künstler Christian Bazant-Hegemark im Lockdown die Hände in den Schoß gelegt hätte. Und jetzt startet er am 22. Februar noch einen über eine US-Kunstschule organisierten englischsprachigen Internet-Kurs über die Tücken des Kunstgeschäfts.

„Die Ausbildung auf den Kunst-Unis fokussiert auf die künstlerische Praxis, aufs Handwerk. Dadurch sind viele trotz eines einschlägigen Abschlusses völlig überfordert, wenn sie danach einen Beruf als freier Künstler ergreifen wollen“, sagt der 1978 in Mödling Geborene, der selbst (bei Gunter Damisch, Harun Farocki und Daniel Richter) die Akademie der bildenden Künste absolvierte und über „Painting and digital technologies“ dissertierte. Vorher war er allerdings sechs Jahre lang bei einem der führenden Videospielentwickler in Wien beschäftigt. „In der Videospiele-Branche ist der ständige Austausch von Know-how selbstverständlich. In Wien gibt es regelmäßige Treffen, zu den weltweit größten Konferenzen kommen bis zu 30.000 Teilnehmer. So etwas fehlt in der Bildenden Kunst völlig. Learning by doing ist aber ein langatmiger und ineffizienter Prozess.“

Vor zwei Jahren hat er eine Struktur gefunden, anhand der er ein „Handbook for Emerging Artists“ schreibt. Dabei werden Fragen über den künstlerischen Prozess, übers Kunst-Business und Persönlichkeitsentwicklung diskutiert. Das Buch sei halb fertig, erklärt Bazant-Hegemark im Gespräch mit der APA, und bilde den Grundstock seines Online-Kurses, der in sechs zweistündigen Einheiten etwa die Grundbegriffe der Preisgestaltung oder der Zusammenarbeit mit Galerien vermitteln möchte. Host ist die New Yorker Kunstschule „Pushing Colored Dirt“, die Teilnahmegebühr ist mit 100 Euro „enorm niedrig angesetzt, weil es immer noch um den Idealismus geht“.

Ruhig und selbstbewusst erläutert der Künstler in seinem Atelier in Wien-Alsergrund sein Kurs-Programm, das er auf Englisch absolviert - im Game-Business die einzige akzeptierte Arbeitssprache. Von dort scheint er viel profitiert zu haben. Mitgenommen hat er vor allem: aktiv sein, Dinge selbst in die Hand nehmen, mit Rückschlägen fertig werden! „Es geht immer um Empowerment.“ Dabei habe ihn, gibt er zu, der Lockdown genauso erwischt wie seine Kolleginnen und Kollegen: „Zuerst war der große Schock, weil alle Events weg waren, dann kam die große Erleichterung, weil alle Events weg waren.“ Und nach einer gewissen Zeit der Konzentration auf das Malen „kam der große Projektwahnsinn“. Auf den unterschiedlichsten Kanälen wurde er mit verschiedenen Projektpartnerinnen aktiv. Meist, ohne dafür direkt entlohnt zu werden. „Du musst in der Kunst sowieso immer in Vorlage gehen.“

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Bloß darauf zu warten, dass Galerien - Bazant-Hegemark wird durch zwei vertreten, je eine in Wien und Düsseldorf - etwas für einen täten, sei der falsche Weg. „Am Ende meines ersten Jahrzehnts als Künstler steht die Erkenntnis: Du bist für die nur ein kleiner Fisch. Du musst selbst aktiv sein.“ Und das ist er auch, nicht nur bei der Pflege seiner 8.000 Follower auf Instagram und der 1.000 Empfänger seines Newsletters. Auf zwei Saalmodellen bereitet Bazant-Hegemark in seinem Atelier seine erste Solo-Museumsschau vor. Am 9. Mai soll im Museum Angerlehner in Thalheim bei Wels eine von Günther Oberhollenzer kuratierte, rund 30 Bilder umfassende Personale eröffnen. Voraussichtlicher Titel: „Delayed Gratification.“ Dieser Fachbegriff stammt aus der Psychologie und bedeutet, dass es manchmal schlauer ist, auf die sofortige, kleine Belohnung zu verzichten und man besser daran arbeitet, dass sich die Vorarbeit später einmal richtig lohnt. Ein gut gewähltes Motto, scheint es.

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