Elde-Steeg-Ausstellung: Visuell begehbar gemachte Gedanken

„Die Frauen machen die Brötchen“: die feministisch bewegte Kunst von Elde Steeg in der musealen Artbox.

Arbeiten der Wahl-Innsbruckerin Elde Steeg (1908–1988) aus sechs Jahrzehnten.
© TLM

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Die Inszenierung der Elde-Steeg-Ausstellung ist fabelhaft, etwas enttäuschend ist allerdings, was da so spektakulär zelebriert wird. Hätte man sich doch erwartet, hier auch die frühen Fotografien der 1908 geborenen Berlinerin zu sehen, die in den 1930er-Jahren unter ihrem Mädchennamen Elfriede Stegemeyer im Dunstkreis des Dadaismus einer Hannah Höch oder eines Raoul Hausmann entstanden sind. Ein Großteil dieser frühen Arbeiten ist allerdings während des Zweiten Weltkriegs verloren gegangen und der Rest in bedeutenden internationalen Fotosammlungen gelandet.

Leider nicht in dem dem Ferdinandeum anvertrauten Nachlass der Künstlerin, die von 1974 bis zu ihrem Tod 1988 in Innsbruck gelebt hat. Wo sich die charismatische Lady aktiv in der Künstlerschaft engagiert, einen musealen Freundeskreis mitgegründet und immer wieder selbst ausgestellt hat. Rund 1400 Arbeiten bzw. Konvolute umfasst dieser Nachlass, aus dem Andreas Sladky, der über Elde Steeg dissertiert und die Schau kuratiert hat, Arbeiten quer durch das Œuvre unter dem Blickpunkt der feministischen Bewegtheit der Künstlerin ausgewählt hat.

Was bereits der Titel der Schau „Die Frauen machen die Brötchen“ signalisiert, angelegt als reizvoll „begehbare Gedanken“. Arrangiert in kleinen Gruppen auf Tapeten, die mit ins XXL-Format aufgeblasenen Zeichnungen der Künstlerin bedruckt sind. Die Situation der Frau in einer von Männern dominierten Welt wird in den zwischen 1949 und 1986 entstandenen Arbeiten in diversen malerischen und grafischen Techniken auf formal unterschiedliche Weise durchdekliniert. Um sich zeichnend in eine bessere Welt zu träumen oder von Farben dominierte, in der Fläche ausgebreitete Vexierbilder zu entwerfen, in denen etwa ein Frauenkleid auch eine Straße sein kann. Die collagierten „Wendebilder“ der späten Jahre schlagen vage den Bogen zu Steegs dadaistischen Anfängen, um mit giftiger Ironie Zeit- und Gesellschaftskritik zu üben. Elde Steeg im Museum zu begegnen, ist besonders für die, die sie noch gekannt haben, schön, noch viel schöner allerdings der jungen Elfriede Stegemeyer. Der wunderbaren Zeichnerin allein aus der Linie heraus entwickelter Frauenbilder.

Auf der Suche nach der Artbox stellt der Museumsbesucher erfreut fest, dass sich auch die Schausammlungen immer wieder wandeln. Dass etwa das „Kreuz“ von Albin Egger-Lienz nun den fast ebenso monumentalen „Che Guevara“ Peter Sandbichlers zum Pendant hat, oder das nach St. Gallen verliehene „Pembaur“-Porträt Klimts nun einen Plakatentwurf Franz Wests als „Lückenbüßer“ hat. Hineingehen bzw. -hören in den Musentempel lohnt sich jedenfalls, was wohl auch Julia Bornefelds an einer musealen Seitenfassade angebrachtes Bronzeohr signalisieren soll.

Tiroler Landesmuseum. Museum­straße 15, Innsbruck; bis 3. Oktober, Di–So 10–18 Uhr.


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