Corona-Immunität stabil: Ischgl als Wegweiser in Richtung Normalität

Auch nach acht Monaten sind 90 Prozent der Genesenen in Ischgl immun. Durchimpfungsrate von 40 bis 50 Prozent könnte reichen.

Die Ischgler sind offenbar ein robustes Bergvolk. Die zweite Corona-Welle im November überstanden sie so gut wie unbeschadet.
© Thomas Boehm / TT

Innsbruck – Dieses Mal gibt es „Good News“ aus Innsbruck, wie der Rektor der Medizin-Universität Innsbruck, Wolfgang Fleischhacker, gestern bei einer Pressekonferenz in Innsbruck meinte. 90 Prozent der Ischgler, die im Frühjahr Antikörper hatten, hatten diese auch noch nach acht Monaten. „Trotz leichtem Rückgang der Antikörper können wir von einer relativ stabilen Immunität sprechen“, meinte Studienleiterin Wegene Boren­a. Die Wissenschafter waren damit zum zweiten Mal in Ischg­l im Einsatz. Virologin Dorothee von Laer, die zuletzt mit dem Vorstoß, Tirol abzuschotten, für Aufsehen sorgte, und ihr Team hatten im Frühjahr die erste Antikörper-Studie gemacht.

Virologin Dorothee von Laer (r.) und Studienleiterin Wegene Tamire Borena untersuchten die Immunität der Ischgler.
© Med-Uni
Dorothee von Laer
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Die Nachfolgestudie ermöglichte es den Wissenschaftern nicht nur zu untersuchen, wie lange Menschen immun gegen das Virus sind, sondern auch, ob sie sich noch einmal anstecken können. „Die Ischg­ler sind gut durch die zweite Welle im November gekommen“, meinte von Lae­r. Ischgl wurde während der zweiten Welle im Herbst mit anderen Orten in Tirol und Österreich verglichen. Während in den Vergleichsorten „Inzidenzen von 400 bis 500 verzeichnet wurden“, waren es in Ischgl nur „ein paar positive PCR-Ergebnisse Anfang November“. Die Neuinfektionsrate lag in Ischgl in diesem Zeitraum bei unter einem Prozent.

Man wird sich jedes Jahr impfen lassen müssen und die Impfstoffe adaptieren.
Dorothee von Laer (Virologin, Med-Uni Innsbruck)

Ischgl ist auch ein interessantes Pflaster hinsichtlich der Herdenimmunität. Liege diese bei 40 bis 50 Prozent, reiche sie aus, um einen gewissen Schutz bieten zu können. Legt man das auf die Impfung um, dann könnte es reichen, wenn rund die Hälfte der Bevölkerung durchgeimpft ist. Bisher sei von Durchimpfungsraten zwischen 70 und 80 Prozent die Rede gewesen, verwies von Laer auf andere Expertenmeinungen.

Trotz leichtem Rückgang der Antikörper können wir von einer relativ stabilen Immunität sprechen.
Wegene Borena (Studienleiterin)
Wegene Borena
© med-uni

Gegen die Südafrika-Mutation könnten die Ischgler vielleicht weniger immun sein. Dass sich Menschen, die den ursprünglichen Virus hatten, mit einer Mutation anstecken könnten, sei für Virologen nichts Neues. Die Impfungen müssten saisonal entsprechend angepasst werden, „wie bei der Grippe“. Auch bei einer Impfung beginne die Immunität zu bröckeln. „Man wird sich jedes Jahr impfen lassen müssen.“

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In Österreich gibt es bereits 400.000 Genesene. Früher ging der Gesetzgeber von einer Immunität von drei Monaten, jetzt von sechs Monaten aus. Die Ischgler Studie könnte nahelegen, dass die Zeitspanne erhöht werden sollte.

Die Ischgler sind jedenfalls testwillig gewesen. 900 Ischg­ler zwischen 18 und 89 Jahren haben im November bei der Antikörper-Studie mitgemacht, 800 waren es im Frühjahr. „Ischgl, ein Fall, der Hoffnung macht auf Rückkehr zur Normalität“, meinte von Laer. (aheu)

📽️ Video | Immunität bei Ischglern immer noch stabil


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