Theaterstücke im Fernsehen: Theaterreigen lässt Tirol außen vor

In ORF III sind elf aktuelle Theaterstücke als TV-Aufzeichnung zu sehen. Das Tiroler Landestheater hätte fertige Stücke, kommt aber vorerst nicht zum Zug.

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Szene aus Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ am Tiroler Landestheater. Premiere wäre Mitte Jänner gewesen.
© TLT/Birgit Gufler

Von Markus Schramek

Innsbruck, Wien – „Wir spielen für Österreich“ lautet das, grundsätzlich aller Ehren werte, Corona-Motto in ORF III, dem Kultur-Fernsehkanal des heimischen Großsenders. Konzerthäuser und Theater sind bekanntlich geschlossen, und so liefert ORF III Kulturfreunden schon länger Opern und ab 26. Februar auch Theaterstücke ins Haus. Wer mitspielen darf, das sorgt nun aber für erhebliche Irritation in der viel zitierten Provinz, das ist die (österreichische) Welt außerhalb von Wien.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hatte am Donnerstag eine „Theater-Edition“ angekündigt: Aufführungsreife aktuelle Stücke werden vor leerem Haus gespielt, aufgezeichnet und via ORF III ausgestrahlt.

Elf Theaterstücke kündigte Wrabetz an, acht davon stammen aus Wiener Häusern (allein fünf davon aus dem Fundus des Theaters in der Josefstadt und dessen zweiter Bühne, den Kammerspielen). Aus besagter Provinz sind einzig das Stadttheater Berndorf, das Schauspielhaus Graz und das Salzburger Landestheater mit Produktionen vertreten.

Für die Finanzierung ist gesorgt: ORF III erhält für den Aufführungsreigen Konzern-intern ein Sonderbudget „von mehreren 100.000 Euro“. Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer, die diese Initiative anstieß, sagte den Theatern Förderungen zu, sollten Zusatzkosten entstehen.

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Ein konkreter Tiroler Beitrag fehlte bei der Programmpräsentation. Gespräche mit den Passionsspielen Erl seien am Laufen, hieß es. Dies mutet seltsam an, da die nächsten Passionsspiele in Erl erst für 2025 angesetzt sind.

Im Tiroler Landestheater ist die Verärgerung entsprechend groß. Seit Beginn des gegenwärtigen Kulturlockdowns Anfang November wird im ganzen Haus weiter geprobt. Mehrere Stücke sind längst reif für die Theaterbühne, so der Edward-Albee-Klassiker „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“, oder, diesfalls sogar eine Uraufführung, die Dramatisierung von Daniel Wissers preisgekröntem Roman „Königin der Berge“.

Eine Anfrage aus Wien hat es in Innsbruck aber nicht gegeben. „Wir haben die Theaterpläne von ORF III erst aus den Medien erfahren“, heißt es im Büro von Landestheaterchef Johannes Reitmeier.

Auf Nachfrage in der Wiener ORF-Zentrale bedauer­t man, dass sich manches Theater übergangen fühlen könnt­e. Noch sei aber nicht aller Tage Abend. „Es wird weitere Übertragungen geben. Die Theater in den Bundesländern können sich gerne bei uns melden“, heißt es in der Pressestelle der General­direktion. Das Projekt „Theater Edition“ sei binnen kurzer Zeit entstanden. Daher habe man zuerst auf Häuser zurückgegriffen, die technisch für Übertragungen gerüstet schienen. Dies sei auch beim Salzburger Landestheater der Fall, das seit Ende Jänner Premieren online überträgt.

Erfahrungen mit Online-Übertragungen hat man aber auch in Innsbruck. Aus den Kammerspielen des Tiroler Landestheaters wurde im November das Stück „Alter Ego“ per Livestream übertragen.


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