Lockdown führte zu massivem Rückgang der Skiunfälle

Die Zahl der Skiunfälle im Lockdown zwischen Weihnachten und dem Ende der beiden Semesterferienwochen im Februar ist gegenüber den Vorjahren massiv gesunken. Das legen erste Daten des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit (ÖKAS) nahe. Der Rückgang dürfte dabei stärker ausgefallen sein, als das Minus beim Andrang auf den Pisten - möglicherweise, weil heuer eher routiniertere Skifahrer unterwegs sind. Allerdings gibt es regional durchaus Unterschiede.

Vorweg: Eine Gesamtunfallbilanz, wie sie etwa das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) einmal im Jahr veröffentlicht, wird noch länger nicht vorliegen. „Wir erhalten im März immer erst die Daten aus dem Vorjahr“, hieß es auf APA-Anfrage. Die Zahlen des ÖKAS geben hingegen zwar nur rund zehn Prozent aller Skiunfälle wieder, sie sind jedoch weitgehend aktuell und gelten als repräsentativ. Sie beruhen auf den Erhebungen der Alpinpolizei, die alle Unfälle erfasst, die entweder tödlich enden oder wenn Verdacht auf Fremdverschulden besteht - etwa nach einer Kollision, einem Aufprall auf ein Hindernis oder bei Unfällen am Pistenrand oder am Lift.

Konkret wurden demnach zwischen 24. Dezember 2020 und 14. Februar 2021 auf Pisten und Skirouten zwei tödliche Unfälle und 233 Verletzte registriert. Das sind 12,5 Prozent der Toten bzw. 11,2 Prozent der Verletzten im Vergleich zum langjährigen Mittel. Die Werte dürften damit unter der gleichfalls gesunkenen Zahl von Skifahrern auf den Pisten liegen. Laut einer Prognose des Fachverbands Seilbahnen in der Wirtschaftskammer, kann bei den Ersteintritten - das sind die Skitage pro Person - in dieser Saison je nach Bundesland von einem Minus zwischen 70 bis 80 Prozent ausgegangen werden.

Die meisten Verletzungen passierten laut ÖAKS in diesem Winter übrigens bisher in Salzburg, knapp gefolgt von Tirol und der Steiermark. Deutlich mehr Verletzte als angesichts des allgemeinen Minus zu erwarten gewesen wären, gab es in diesem Winter in Niederösterreich, klar weniger waren es in den westlichen Wintertourismusbundesländern Tirol, Salzburg und Vorarlberg. Deutlich mehr passiert ist diese Saison bisher auch beim Variantenfahren im ungesicherten Gelände. Hier wurden vier tödliche Unfälle und 54 Verletzte verzeichnet - das sind 80 Prozent (Tote) bzw. 41,5 Prozent (Verletzte) gegenüber dem Vergleichszeitraum im Mittel der Vorjahre.

Doch selbst in einzelnen Bundesländern unterscheiden sich die Daten stark. „Wir haben noch keine Februar-Daten vorliegen, aber die Zahl der Sportunfälle im Dezember und Jänner, und das sind primär Skiunfälle, machen bisher rund zehn Prozent von einem normalen Jahr aus“, hieß es etwa vom Tauernklinikum Zell am See in Salzburg. Das Team der Unfallchirurgie im Kardinal Schwarzenberg Klinikum in Schwarzach (Pongau) hat hingegen von 24. Dezember bis 15. Februar 752 verunfallte Ski- bzw. Snowboardfahrer versorgt - 194 davon stationär. Vergleicht man das mit dem gleichen Zeitraum der drei vergangenen Saisonen, entspricht das einem Rückgang von 69,8 Prozent, bei den stationären Aufenthalten von 66,7 Prozent.

„Obwohl auf den Pisten deutlich weniger los war, gab es doch zahlreiche Kollisionsunfälle, teilweise auch mangels Schnees am Pistenrand“, sagte Primar Manfred Mittermair, der Leiter der Unfallchirurgie in Schwarzach, auf APA-Anfrage. Die Sorge, dass verunfallte Skifahrer Betten von Covid-Patienten belegen könnten, habe sich nicht bestätigt. „Es war im Vorhinein klar, dass wir keine Masse an verletzten Skifahrern zu erwarten haben.“ Er selbst habe sich immer fürs Skifahren im Lockdown ausgesprochen. „Es geht um den physischen und den psychosozialen Nutzen. Die Menschen haben einen Bewegungsdrang. Gehen sie nicht Skifahren, machen sie etwas anderes - auch mit einem Verletzungsrisiko“, erklärte Mittermair. Die Bettenkapazität für Sportunfälle sei - in Corona-Zeiten auch dank der Flexibilität der Mitarbeiter - im Spital immer vorhanden gewesen. Man habe Personal und Ressourcen umgeschichtet und die Situation so gut gemeistert.

„Wir merken nicht, dass weniger los ist“, erklärte hingegen Primar Arnold Suda, der Leiter der Abteilung für Orthopädie und Traumatologie am Unfallkrankenhaus Salzburg, wo vor allem schwerer verletzte Wintersportler versorgt werden. „Das hat aber vor allem damit zu tun, dass im Landeskrankenhaus vor allem Covid-Patienten behandelt werden und wir einen Teil der Unfallpatienten übernehmen, die sich vorher auf zwei Krankenhäuser verteilt haben.“ Was auffalle: „Wir haben heuer keine Skifahrer aus Holland oder Belgien, und nur vereinzelt Deutsche.“ Dafür sei die Zahl der verletzten Tourengeher und Rodler gestiegen.

Eine mögliche Erklärung, warum sich gerade in den westlichen Bundesländern offenbar unterdurchschnittlich viele Skiunfälle ereignet haben, lieferte Erich Egger, der Sprecher der Salzburger Seilbahnwirtschaft und Vorstand der Schmittenhöhebahn AG. „Es waren auf den Pisten fast ausschließlich Einheimische und sehr viele gute Skifahrer unterwegs. Ich hatte den ganzen Winter nicht einmal das Gefühl, wie kommt der oder die jemals dem Hang hinunter.“ Eine Beobachtung, die allerdings mit Einschränkungen gilt. „Weil viel Platz auf den Pisten war, waren manche heuer auch viel schneller unterwegs.“


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