Diskussion um Schutz alter Bauten in Imst

Das Haus Vogelhändlergasse Nr. 11 (rechts) soll als „charakteristisch“ eingestuft werden. Der linke Teil des Profanbau-Ensembles ist bereits eine­m Neubau gewichen.
© Handle/Parth

Von Thomas Parth

Imst – Morgen Dienstag soll der Imster Gemeinderat das Haus Vogelhändlergasse Nr. 11 als „charakteristisches Gebäude“ ausweisen. Dies öffne Fördertöpfe im Zuge der Renovierung. „Das Ansuchen dazu wurde vom Eigentümer gestellt“, informiert Vize-BM Stefan Krismer. Als Obmann des Bauausschusses legt Krismer erneut die Einstellung der Stadtgemeinde Imst zu „historischen Gebäuden“ dar: „Wir werden als Gemeinde nicht über die Köpfe von Eigentümern hinweg entscheiden. Wenn sich jedoch ein Hausbesitzer dazu entschließt, sein Gebäude als ,charakteristisch‘ ausweisen zu lassen, werden wir das unterstützen.“

Zuletzt hatte der Imster Bauhistoriker Stefan Handle kritisiert, dass die Stadtpolitik den Besitzern schützenswerter Liegenschaftsobjekte zu wenig dabei unter die Arme greife, die historische Substan­z zu schützen. „Der Erhalt des Ensembles in der Vogelhändlergasse hätte jegliche Anstrengung gerechtfertigt“, bedauert Handle auf Anfrage der TT.

„Ohn­e den Willen des Bauherrn geht nichts“

2019 wurde ein Haus des Ensembles abgerissen und durch einen Betonbau ersetzt. „Wenn ein Zahn fehlt, ist das Gebiss nicht mehr vollständig“, formuliert Handle: „Die Stadt opfert ihre Seele, je mehr historische Bau­substanz verloren geht.“

Der Architekt und Mitbesitzer in der Vogelhändlergasse Dietmar Ewerz pocht indes auf „ein Miteinander ohne erhobenen Zeigefinger“. Der aktuell im Rohbau befindliche, von Ewerz geplante Neubau weis­e eine ­Lochfassade auf, sei giebelständig und stelle eine „moderne Interpretation“ des Vorgängergebäudes dar. „Ohn­e den Willen des Bauherrn geht nichts“, unterstreicht Ewerz. Auch würden der Bauzustand eines Gebäudes und mögliche Fördermittel eine Rolle spielen. Geschichte bedeute auch Veränderung und in einer Diskussion müssten Kompromisse zulässig sein, so Ewerz.

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„Es braucht eine breite Bewusstseinsbildung gegen die allgemeine Kulturvergessenheit“, stellt sich Handle gegen die Auffassung der Stadtführung. Ihm agiert die Stadt „viel zu passiv. Die Gemeinde muss als Korrektiv eingreifen.“


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