Australian-Open-Siegerin Osaka will Mädchen inspirieren

Australian-Open-Siegerin Naomi Osaka hat sich als größtes Ziel gesetzt, Mädchen zum Tennisspielen zu inspirieren. „Das wird seltsam klingen. Aber hoffentlich kann ich lang genug spielen, um gegen ein Mädchen zu spielen, das gesagt hat, dass ich mal ihre Lieblingsspielerin war“, sagte die 23-jährige Japanerin am Samstag nach ihrem Finalerfolg von Melbourne auf die Frage, was das Größte sei, das sie noch erreichen wolle.

„Ich denke, das ist das Coolste, das mir jemals passieren könnte“, erklärte Osaka. Mit dem 6:4,6:3 im Endspiel gegen die US-Außenseiterin Jennifer Brady holte Osaka ihren bereits vierten Grand-Slam-Titel. Die ehemalige Weltranglisten-Erste hat jetzt zweimal bei den Australian Open sowie zweimal bei den US Open triumphiert. Die Siege in Wimbledon und bei den French Open fehlen ihr noch. Eins ihrer Vorbilder war der langjährige US-Superstar Serena Williams, die sie im Halbfinale der Australian Open besiegt hatte.

Osaka ist nun seit über einem Jahr ungeschlagen, hat aber in der corona-verkürzten Saison auch nicht oft gespielt. Zweimal verzichtete sie wegen einer Verletzung und vorsichtshalber auf Einsätze, so auch in der Woche vor den Australian Open. Auf Hartplatz und wenn es darauf ankommt, ist sie derzeit aber fast unschlagbar. Einzig im Achtelfinale kam die letztjährige Finalistin Garbine Muguruza gegen Osaka zu zwei ungenutzten Matchbällen, ansonsten gewann die Japanerin alle Partien in zwei Sätzen, auch im Halbfinale gegen Williams.

Während der Quarantäne hat Osaka nochmals einen großen Schritt nach vorne gemacht - nicht so sehr spielerisch, sondern vor allem mental. Das anerkennt sie auch selber. „Ich hatte die Tendenz, mein Wohlbefinden nur nach den Leistungen auf dem Platz zu bemessen“, erzählt die Tochter eines Haitianers und einer Japanerin aus Sapporo. „Aber zu sehen, was alles in der Welt passiert, hat mir eine komplett andere Perspektive gegeben.“ Sie meint damit nicht nur die Pandemie, sondern auch die Protestbewegung „Black Lives Matter“, mit der auf die Gewalt gegen Schwarze aufmerksam gemacht wird.

Der Unterschied von jener Osaka beim ersten Grand-Slam-Titel 2018 in New York zur Osaka von heute ist frappant. Aus dem schüchternen Mädchen, das kaum einen Ton herausbrachte, ist eine selbstbewusste Frau von 23 Jahren geworden, die sich nicht scheut, ihre Meinung zu sagen, dabei aber nie den Anstand verliert. Dass sie derzeit eine Seriensiegerin ist und eine große Zukunft hat, ist ihr bewusst. „Ich gehe aber Schritt für Schritt und lebe lieber im Moment“, betonte sie.

Wenn es Osaka noch schafft, auch auf Sand und Rasen gut zu spielen, hat sie das Zeug dazu, die im Moment ziemlich führungslose Tennisszene der Frauen auf viele Jahre hinaus zu dominieren - und daneben noch mehr zu einer globalen Ikone zu werden wie es lange Zeit die 16 Jahre ältere Serena Williams war. Sie verbessert sich am Montag in der Weltrangliste von Platz 3 auf 2 und wäre wohl schon die Nummer 1, wenn Ashleigh Barty nicht die Resultate des vorletzten Jahres noch in der Wertung behalten könnte.


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