Gut genug für Weltspitze? Pertl gab sich selbst die Antwort

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Adrian Pertl ist keiner, der von klein auf in jeder Altersstufe und Kategorie alle in Grund und Boden fuhr, wie selbstverständlich in den Weltcup kam und locker drauflos zu seiner ersten Medaille bei Weltmeisterschaften fährt. Okay, Letzteres trifft mit Slalom-Silber zum Abschluss der Alpinski-WM in Cortina zu. Ansonsten verlief die Karriere bis Dezember 2019 aber holprig. Und der Kärntner hatte sich bereits die Frage gestellt. „Bin ich gut genug für die Weltspitze?“

Dass er das ist, hatte nicht zuletzt Slalomtrainer Marko Pfeifer erkannt und den Techniker im Frühjahr 2020 zeitgleich mit Fabio Gstrein in seine Gruppe geholt, der Marco „Blacky“ Schwarz, Manuel Feller und Michael Matt angehören. In einem Zoom-Meeting hat er von den Plänen des Trainers erfahren und die neuen Kollegen näher kennengelernt. Es sei für ihn „eine Ehre“ gewesen, dass er in diese Gruppe gekommen sei und mit den Besten trainieren durfte.

„Das Konzept hat super gepasst, es hat mir von Anfang an Spaß gemacht. Ich hatte mit den anderen Athleten außer Blacky ja noch nicht viel zu tun gehabt. Aber nach den ersten zwei Kursen habe ich gemerkt, das ist eine richtig coole Truppe. Wir haben immer eine feste Gaudi“, sagte der 24-jährige Pertl am Montag nach seiner Rückkehr aus Italien im Online-Mediengespräch.

Pertl kommt aus Ebene Reichenau, ging von klein auf mit den Eltern und dem Opa zum Skifahren und fuhr im Bambini-Cup auch bald seine ersten Rennen. Im „kleinen, aber feinen Skiclub“ in Reichenau fühlte er sich gut betreut, von „Kindercup über Schülercup“ seien „die Erfolge immer da“ gewesen, weshalb er sich dann für die Ski-Akademie in Schladming entschied.

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Mit 15 Jahren fuhr er seine ersten FIS-Rennen, mit 17 gelang der Sprung in den ersten ÖSV-Kader. „Dann ging es vier, fünf Jahre immer nur darum, den Kaderstatus zu halten. Ich bin nicht unbedingt herausgestochen mit meinen Leistungen, ich war auch nicht der schlechteste. Ich bin im Kader geblieben, aber der richtige Sprung ist nie richtig gekommen.“

Frustrierend sei diese Zeit nicht gewesen, er habe sich am Start bei FIS-Rennen immer bemüht, um sich für Höheres zu empfehlen. „Aber man fragt sich dann auch, wenn man ein gewisses Alter erreicht hat, ob es das war oder noch was möglich ist vom Potenzial her. Ich habe mir des öfteren die Frage gestellt, ob ich einfach nicht gut genug bin für die Weltspitze. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich nie aufgegeben habe. Dann sieht man, wie schnell es gehen kann. Vor eineinhalb Jahren habe ich mich über einen FIS-Sieg gefreut, gestern habe ich eine Silbermedaille bei einer WM gemacht.“

Gebremst wurde Pertl 2016 durch einen Kreuzbandriss, ein erstes Highlight erlebte er 2017 bei der Junioren-WM in Aare mit Slalom-Gold. FIS-Rennen waren in dieser Zeit aber noch immer sein Haupt-Betätigungsfeld, im Europacup wartete er bei zahleichen Einsätzen bis Dezember 2019, als mit Rang 14 im Slalom von Val di Fassa das erste halbwegs brauchbare Ergebnis rausschaute. Das ist gerade mal 14 Monate her.

„Ich habe sehr lange gekämpft, dass ich im Europacup überhaupt in die Top 30 reingefahren bin. Der 14. Platz war für mich echt ein Highlight.“ Danach wurde er Fünfter und es folgte Kitzbühel. Es war erst sein fünftes Weltcuprennen und er wurde Achter. Beim übernächsten Einsatz kam er als Dritter in Chamonix erstmals auf das Podest, es folgten in diesem Winter die vierten Plätze beim Parallelrennen in Lech/Zürs und dem Chamonix-Torlauf als beste Ergebnisse.

„Die letzten eineinhalb Jahre waren ein Wahnsinn, ich bin selbst überrascht gewesen, dass es so schnell gehen kann.“ Der Materialwechsel habe sicher auch einen großen Teil dazu beigetragen, bei Völkl steht ihm Ex-Weltmeister Manfred Pranger unterstützend zur Seite. „Als ich das erste Mal vor ihm stand, habe ich schon mal geschluckt. Manni ist ein super Typ. Er ist mit mir umgegangen, als wenn er mich schon lange kennen würde.“

Nach zwei Tagen ausspannen, „Hunderte Nachrichten“ beantworten, Zeit mit Familie und Freundin Anna sowie einer Therapieeinheit bricht Pertl am Mittwoch Richtung Zürich und dann weiter nach Bansko auf, wo er am Wochenende die zwei Weltcup-Riesentorläufe bestreiten wird. Dort hat er das Ziel, unter die 30 zu kommen.

In den verbleibenden Slaloms hofft der Vizeweltmeister hinter Goldmedaillengewinner Sebastian Foss-Solevaag (NOR) auf gute Ergebnisse und einen guten Schritt nach vorne. „Damit ich immer konstant vorne mitfahren kann. Mit solchen Platzierungen erhöhen sich die Erwartungen. So ein Rennen wie gestern hilft viel weiter. Allein schon die Erfahrung, wenn man führt, wie es ist, wenn man den Druck aushalten muss.“ Und er sei froh, dass er der Skifahrer und nicht der Zuschauer war. „Es war ein spannendes Rennen und ziemlicher Nervenkitzel.“


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