Steirer wegen Mordversuchs zu zwölf Jahren Haft verurteilt

Ein 57-Jähriger ist am Dienstag im Grazer Straflandesgericht wegen versuchten Mordes und Widerstand gegen die Staatsgewalt zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Dem Oststeirer wurde vorgeworfen, seine Nachbarin gewürgt zu haben. „Ich bring‘ dich um, du stirbst jetzt“, soll er dabei gesagt haben. Die Frau konnte flüchten, der Beschuldigte randalierte dann auch noch bei der Polizei. Bei der Verhandlung fühlte er sich in keiner Weise schuldig, wurde aber einstimmig verurteilt.

Die Staatsanwältin beschrieb kurz und knapp die Fakten: Im Juli 2020 hatte der 57-Jährige zunächst mit seiner Nachbarin Bier, Wein und Wodka getrunken. Dann kam es zum Streit, er würgte die Frau, die sich befreien und die Polizei rufen konnte. Den Polizisten drohte er laut Anklägerin „Ich hol jetzt meine Puffn, dann erschieß ich euch alle“.

Der Angeklagte leugnete alles, sowohl den Mordversuch als auch die Bedrohung der Beamten. „Es gibt keine stichhaltigen Beweise“, betonte der Verteidiger, die Anklage gründe ausschließlich auf den Angaben des Opfers. Sein Mandant habe sich nur gewehrt, weil die Frau mit der Faust auf ihn losgegangen war.

„Wir waren rauschig“, beschrieb der Oststeirer die Situation. Richterin Barbara Schwarz wollte wissen, wann die Beziehung der beiden begonnen habe. „Beziehung...“, überlegte der Befragte und antwortete schließlich: „Wir haben zwei Mal Sex gehabt.“ „Während der ganzen Beziehung?“, „Ja“.

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An diesem Abend kam die Nachbarin wieder zu ihm und ging ins Schlafzimmer. Er folgte ihr, dann kam es offenbar zum Streit, an den sich der Angeklagte in keiner Weise mehr erinnern konnte. „Was ist dann passiert?“, fragte die Richterin. „Auf einmal rinnt mir die Blutsuppn runter. Sie hat zwei Mal hergeschlagen, aufs Aug‘ und auf die Nase“, schilderte der 57-Jährige. „Warum?“, wollte die Richterin wissen. „Weiß ich nicht“, lautete die Antwort. Sie sei „immer so jähzornig gewesen, einmal hat sie mir die ganze Wohnung zerlegt“.

Um weitere Angriffe abzuwehren, ergriff der Angeklagte nach seinen Angaben eine Hand und den Hals der Frau. „Ich habe sie nur weggedrückt“, meinte er. Vor der Polizei hatte er noch ohne Bedauern gemeint: „Wenn ich länger zugedrückt hätte, wäre die Sau tot gewesen.“

Die Schilderung der Frau klang etwas anders: Es habe sich sehr wohl um eine Beziehung gehandelt, „er hat meiner Mutter erzählt, dass er mich heiraten will“. Der Nachbar sei dauernd eifersüchtig gewesen, darum sei es auch an diesem Abend zum Streit gekommen. „Plötzlich packt er mich am Hals und drückt zu“, erzählte die Frau. „Ohne Anlass?“, fragte die Richterin. „Ja“, beteuerte die Zeugin. „Und wie haben Sie sich befreit?“, interessierte die Vorsitzende. „Ich habe ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen.“ Bei ihr wurden Hämatome und Kratzspuren am Hals festgestellt, bei ihm die Verletzungen im Gesicht.

Die Geschworenen befanden den Oststeirer einstimmig für schuldig, er wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.


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