Beatnik-Dichter Lawrence Ferlinghetti ist tot

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Der Beatnik-Dichter Lawrence Ferlinghetti, dessen Buchhandlung City Lights in San Francisco zum Zentrum der Beat-Generation an der Westküste wurde, ist tot. Er starb im Alter von 101 Jahren, wie City Lights am Dienstag bekannt gab.

Ferlinghetti führte ein bewegtes Leben: Kindheit bei einer Tante in Frankreich, als Soldat im Zweiten Weltkrieg im Pazifik und beim D-Day in der Normandie, Studium an der Sorbonne in Paris, dann nach San Francisco, wo er zu einer der zentralen Figuren der Beat-Bewegung wird. Er gründet den legendären Buchladen und Verlag City Lights. Noch heute ist der historische Bookshop mit den alten Regalen und knarrenden Holzböden ein Treffpunkt für Intellektuelle und Poeten. Die Fassade des Buchgeschäft, mitten im Italienerviertel North Beach, ist seit Jahren eine Reklamewand für Protest-Worte. Es sind riesige Banner mit der Aufschrift „Andersdenken ist nicht un-amerikanisch“, „Stoppt Kriege und Kriegstreiber“, oder „Stoppt Abschiebungen“.

Dort trug Allen Ginsberg 1955 sein berühmtes Gedicht „Howl“ („Das Geheul“) über Sex, Rausch und ein neues Lebensgefühl vor. Der explizite Text löste einen Skandal aus, die Staatsanwaltschaft befand das Gedicht als obszön. Als Verleger wurde Ferlinghetti verklagt, doch er gewann den Prozess, der die Beatniks ins Rampenlicht rückte. „Ein mutiger Mensch und ein mutiger Poet“, sagte der Sänger Bob Dylan einmal über Ferlinghetti. Doch der wehrte ab. „Für uns war es einfach Dichtkunst, die veröffentlicht werden musste.“


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