Obama und Springsteen: Ein Boss und ein Ex-Boss im offenherzigen Diskurs

Barack Obama und Bruce Springsteen liefern im gemeinsamen Podcast eine musikalisch unterlegte, kritische Bestandsaufnahme der USA.

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Diese zwei trennen einige Lebensjahre, weltanschaulich passt kein Blatt zwischen sie: Bruce Springsteen (71) und Barack Obama (59).
© Rob DeMartin

Von Markus Schramek

Innsbruck – Die Wege dieser beiden kreuzten sich erst 2008. Da war Bruce Springsteen schon längst Amerikas vielleicht wichtigster, jedenfalls aber kommerziell erfolgreichster Rockmusiker. Und Barack Obama, Anwalt und Politiker, schickte sich gerade an, 44. Präsident der USA zu werden. Springsteen, zumindest nach US-Maßstäben politisch links der Mitte verortet, unterstützte den demokratischen Kandidaten Obama im Wahlkampf konzertant. Seither sind die beiden einander freundschaftlich verbunden.

Springsteen ist heute 71 und immer noch Rockstar. Obama wird heuer 60. Nach zwei Perioden im Weißen Haus half er im Vorjahr nach Kräften mit, um seinen Nachfolger Donald Trump aus dem Weißen Haus zu verjagen und den Demokraten Joe Biden genau dorthin zu bringen.

Kaliber wie der als „The Boss“ hofierte Springsteen und der immer noch hoch im Kurs stehende Ex-Boss Obam­a haben eine Menge „stories to tell“. Und das tun sie im neuen Spotify-Podcast „Renegades: Born in the USA“ nun sogar öffentlich: ziemlich locker, recht tabulos (manch unanständiges Wort rutscht heraus) und in Summ­e wirklich hörenswert. Zwei von acht Folgen sind seit Kurzem vorrätig. Obama fungiert als Produzent, Springsteen stellt sein Studio für die Aufnahmen zur Verfügung.

Und los geht es. Rückblick auf die frühen Jahre, Tausende Meilen voneinander entfernt. Springsteen stammt aus dem „provinziellen, rassistischen“ Kaff Freehold in New Jersey. Obama wuchs als Sohn eines Afrikaners und einer Amerikanerin behütet auf Hawaii auf. Beide fühlten sich in der Kindheit als Misfits und Renegaten, wie schon der Titel des Podcasts glauben macht.

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Manches Kompliment wird ausgetauscht. „Bruce sieht verdammt gut aus für sein Alter“, findet Obama. Und der Musiker streut seinem Gegenüber wiederholt Rosen für dessen gesellschaftspolitische Ansätze: „Da bin ich ganz deiner Meinung, Barack!“

Schon als Politiker wusste Obama rhetorisch zu überzeugen. Und so übernimmt er auch im Podcast zumeist die Rolle des Moderators, des Stichwortgebers, des Fragenden. Springsteen ringt gelegentlich um Worte – wie er überhaupt vorgibt, „eigentlich schüchtern zu sein“. Dafür schnappt er sich mitunter eine der Gitarren, die er im Studio aufgereiht hat, und gibt Kostproben aus seinem Songkatalog: „My Hometown“ oder „American Skin“.

Apropos Haut (englisch „skin“) bzw. Hautfarbe: Heil­e Welt spielen die beiden vor dem Mikrofon mitnichten. Rassismus sei in den USA nach wie vor fest verwurzelt, lautet unverblümt ihr Befund. Der dunkelhäutige Obama machte selbst einschlägige Erfahrungen. Springsteen erinnert an seinen 2011 verstorbene Bandkollegen Clarence Clemons. Der wurde als Saxofonist auf der Bühne gefeiert – und abends in der Bar wegen seiner schwarzen Hautfarbe angepöbelt und beschimpft.

Da greift Obama zur Gitarr­e und singt „Maggie’s Farm“ von Bob Dylan. „Eines der besten Protestlieder“, befindet der Ex-Präsident. Manchmal hilft nur noch Musik.

🎧 Der Podcast „Renegades: Born in the USA“ ist auf Spotify abrufbar (Folge 1 und 2). Niederschriften der Gespräche in englischer Sprach­e sind online verfügbar.


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