Wüstenstaub aus der Sahara trübt das Frühlingserwachen in Tirol

Für Menschen mit Atemwegserkrankungen kann der feine Staub eine zusätzliche Belastung sein. Nächste Woche bleibt es frühlingshaft.

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Der Blick gestern von der Hungerburg hinunter auf Innsbruck. Ungetrübte Fernsicht gibt es erst wieder ab dem Wochenende.
© Thomas Boehm / TT

Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Die ersten Krokusse und Narzissen sorgen für bunte Farbkleckse in den Gärten und vereinzelt haben sich auch schon in den Wäldern Leberblümchen ihren Weg an die Oberfläche gebahnt. Temperaturen um die 20 Grad tragen dazu bei, dass der Winter fast schon vergessen ist. Getrübt wird die Frühlingsstimmung allerdings von einer dichten Schicht aus Saharasandstaub, der Mitte der Woche Tirol erreicht hat und für diesige Verhältnisse sorgt.

Aufgewirbelt wurde der Sand bereits am vergangenen Wochenende in Algerien, eine südliche Anströmung und starker Wind trugen die Partikel dann weiter nach Zentraleuropa, wie Martin Templin vom Wetterdienst Ubimet erklärt. Inzwischen ist der Staub auf etwa 3000 bis 2000 Meter abgesunken und verleiht der Landschaft einen staubig-gelblichen Stich.

Staub kann auch auf die Gesundheit schlagen

Das Naturphänomen trübt aber nicht nur den Blick auf den wolkenlosen Himmel, sondern hat auch Auswirkungen auf den Menschen. Dass Saharastaub auch Einfluss auf die Gesundheit haben kann, bestätigt der Innsbrucker Umwelt- und Arbeitsmediziner Heinz Fuchsig: „Für den gesunden Menschen besteht kein Risiko. Wer allerdings bereits an einer Erkrankung der Atemwege leidet oder etwa COPD hat, für den ist das schon eine Belastung. Stark anstrengen sollten sich diese Patienten jetzt nicht.“ Auch Corona-Erkrankte mit einer geschwächten Lunge könnten auf den Wüsten-Feinstaub deutlich sensibler reagieren als Gesunde. Grundsätzlich könne man aber sagen, dass die Feinstaubkonzentration dieser Tage hierzulande deutlich geringer ist als für jene Menschen in Nordafrika, die unmittelbar in der Sahara-Region leben. „Dort ist die Belastung tatsächlich enorm und wird durch Ausbreitung der Wüsten und Zunahme der Stürme mehr“, so Fuchsig.

Der Umweltmediziner betont weiters, dass es sich aktuell bei dem Wüstenstaub über Europa zwar um feinen, aber gealterten und damit weniger aggressiven Quarzstaub handelt, der eine Partikelgröße von einem bis fünf Mikrometer (µm) aufweist. Verglichen mit jenem Ultrafeinstaub, der etwa bei der Dieselverbrennung in Motoren ohne Filter entsteht, sei der Saharastaub relativ unbedenklich. Immerhin gelange Ultrafeinstaub mit einer Partikelgröße von weniger als 0,1 µm bis in die Lungenbläschen und werde dort vom Körper aufgenommen und bis in Organe oder sogar Zellen transportiert.

Laut Ubimet-Meteorologen Martin Templin dürfte der Feinstaub bis morgen Freitag weiter absinken und mit einer Kaltfront und Regen in der Nacht auf Samstag endgültig ausgewaschen werden. Nicht mehr ganz so warm wie zuletzt, aber weiterhin frühlingshaft mild geht es dann in die nächste Woche – diesmal dafür ganz ohne Wüstensand.


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