Auch im Coronajahr 2020 wurde in Wien viel gedreht

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Die Coronakrise ging 2020 auch am Filmschaffen in Wien nicht spurlos vorüber - so sank die Zahl der Drehs im Vorjahr um 16,4 Prozent. Konnte die Vienna Film Commission als zuständige Servicestelle 2019 noch 684 nationale und internationale Filmprojekte betreuen, so waren es im Vorjahr 572. Ein Rückgang also, aber kein Einbruch, was auch Commission-Geschäftsführerin Marijana Stoisits im APA-Gespräch freut: „In erster Linie überwiegt die Erleichterung.“

Vor allem die Zahl der internationalen Produktionen sank angesichts von Reisebeschränkungen und Hygienevorgaben jedoch um 48,9 Prozent auf 69 Drehs (nach 135 im Jahr davor). Anders sieht das Ganze bei den heimischen Produktionen aus, die nach dem raschen Ermöglichen der Wiederaufnahme von Dreharbeiten unter strengen Hygienevorgaben mit Anfang Juni und dank der entsprechenden Kooperation vonseiten der Stadt wieder stark anzogen. „Jedes Pflegeheim würde sich wünschen, dass so viel getestet wird“, zollt Stoisits den Organisatoren ihren Respekt. Dank dieses Umstands lag die Zahl der Ansuchen um Drehgenehmigungen im dritten Quartal um ein Drittel höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Bei den beliebtesten Bezirken konnte die Innere Stadt mit 21,4 Prozent Anteil ihre Spitzenposition vor der Leopoldstadt (10,7 Prozent) klar verteidigen. Mariahilf kletterte mit 7,6 Prozent Anteil an den Drehs auf den dritten Platz, der Bezirk Landstraße verlor einen Platz und kam auf Rang 4 zu liegen (6,8 Prozent) und der Alsergrund behielt mit 5,4 Prozent Rang 5. Vor allem geht es bei den Drehs um Aufnahmen im Freien: Wie schon in den vergangenen Jahren führen Motive der Wiener Stadtgärten auch 2020 das cineastische Beliebtheitsranking an. Auf den weiteren Plätzen folgen die Wiener Märkte sowie die Bäder der Stadt.

Angesichts der aktuellen Lage ist Stoisits durchaus optimistisch für das angelaufene Jahr: „Ich gehe davon aus, dass heuer so gut wird wie 2019.“ Und das war das bisherige Rekordjahr für Dreharbeiten in Wien. Diese Entwicklung dürfte dann aber wieder primär heimischen Produktionen zu verdanken sein. „Ich rechne zumindest in der ersten Jahreshälfte nicht mit großen internationalen Produktionen“, so Stoisits.

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Das liegt nicht nur an bestehenden Reisebeschränkungen, sondern auch an den weiterhin fehlenden finanziellen Anreizmodellen nach internationalem Vorbild. Derzeit gibt es auf Bundesebene das Cash-Rebate-Modell des Filmstandorts Austria (FISA). Hierbei werden 25 Prozent der im Land getätigten Ausgaben rückerstattet, was allerdings nur für Film-, nicht aber Serienproduktionen und Streamingdienste gilt, was Stoisits unverständlich bleibt. „Seit Jahren wird darüber gesprochen, aber es wird nicht gehandelt“, ärgert sich die Film-Commission-Chefin. Die Folge: Zwei aktuelle „Sisi“-Produktionen würden derzeit in Tschechien respektive Deutschland anstatt in Österreich gedreht.

Dabei handle es sich bei dem von ihr präferierten Modell, 30 Prozent der Ausgaben ohne absoluten Deckel für alle Filmarbeiten zu refundieren, ja nicht um Almosen, wenn man die Bruttowertschöpfung respektive die Umwegrentabilität betrachte. „Da entgeht dem Land viel Geld“, stellt Stoisits klar: „Das ist eigentlich eine simple Rechnung.“ So klinke sich Österreich ohne Not aus dem aktuelle Boom der Inhalte dank der Streamingdienste praktisch aus.

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